China: Erkundungen abseits der Glitzerwelt

Eins Vorweg: Das Internet-Problem für meinen Lap habe ich immer noch nicht lösen können und im Hostel wird es dafür wohl auch keine Lösung geben – ich schätze, mein Rechner ist für den ein oder anderen WLAN-Standard einfach zu alt. Und hier ist eben der andere. Mist. Naja, da ich aber auch zwei Bilder auf dem Smartphone habe, die ich gern hier mit bloggen möchte, habe ich mich jetzt für den Weg entschieden, meinen Artikel auf Hannas Lap vorzuschreiben, ihn an mein Phone zu senden, und dann die Bilder anzuhängen und das ganze zum Blog zu jagen. Was tut man nicht alles für die Berichterstattung. Wie bitte? Warum ich nicht gleich von Hannas Lap aus poste? Naja wordpress ist so oder so hier eher gesperrt.

Also, wollen wir mal. Gestern haben wir uns im Laufe des Tages Zutaten für ein sinnvolles, Nudelsuppenfreies Frühstück besorgt, und so ging es heute mit einem selbstgebauten Früchtemüsli-Frühstück in den Tag. Vorher hatte ich dem Schuster an einer Strassenecke meine Merrell-Ledersneaker in die Hand gedrückt, deren Nähte nun schon zum xten Mal aufgegangen waren, und die ich in Bonn Leid geworden war, nähen zu lassen, weil der Bonner Schuster dafür eben auch immer über zehn Euro veranschlagt. Hier holte ich sie nach dem Frühstück ab, zahlte 5 RMB (60 ct) für eine ordentliche handwerkliche Arbeit. Besser sahen die Schuhe nach einem Besuch beim Schustermeister in der Breite Strasse auch nie aus.

Mit neuen alten Sneakern an den Füssen ging es dann auf Erkundungstour. Die erste dieser Touren hatten wir gestern Abend unternommen und waren dabei durch spannede kleine Gegenden gekommen, in denen direkt hinter den Glitzer-Malls noch einige alte Wohnkombinate zu finden waren, Backsteinbauten, meist 5 bis 6 Stockwerke hoch, mit vergitterten Fenstern und vermutlich sehr kleinen Wohneinheiten, aus denen Energiesparlampenlicht leuchtete. Dennoch waren wir uns nicht so richtig sicher geworden, was für Menschen in diesen alten Blöcken wohnten, und unsere Vermutung schien sich durch unsere Beobachtungen zu decken – so ziemlich jeder queerbeet in der chinesischen Gesellschaft scheint bislng in solchen Wohnkombinaten gewohnt zu haben. Denn sahen die Gebäude doch wirklich ärmlich und ein wenig heruntergekommen aus, so blieb es nicht aus, dass in den Innenhöfen Mercedes Benz, Audi A6 oder 5er BMW parkten – eindeutige Anzeichen dafür, dass diese Blöcke doch nicht von den prekären Schichten bewohnt werden würden. Es sei denn, Audi, Daimler und Co. sind in China dazu übergegangen, ihre polierten Limousinen zu verschenken. Was ich aber nicht glaube.

Unsere heutige Erkundungstour führte uns dann auch zunächst in den Südwesten der Stadt, wo ein riesiger See angrenzt. Dieser ist, ich kann das noch nicht so genau sagen, aber ziemlich wirklich groß – wahrscheinlich kann man in der Länge das andere Ufer nicht sehen – in der Breite, da wo wir waren, aber schon. Kunming selbst liegt übrigens auf 1850 Metern Höhe und gilt, Dank eines sehr milden Klimas, als die “Stadt des ewigen Frühlings”. Dass die Sonne auch bei gar nicht so heißen Temperaturen ihre volle Kraft entwickelt, bekam dann auch im Verlaufe unserer Erkundung mein Nacken zu spüren. Am See landeten wir zunächst an einem Ethnical Village. Das scheint für die Touristen (vor allem Chinesische) aus dem Boden gestampft worden zu sein. Aufgebaut hat man eine chinesische Stadt im alten Stil, in den Gebäuden gibt es Restaurants und Souvenirläden und wenn man möchte, kann man sich Menschen in Minderheitentrachten mieten und sie vor jedem Gebäude in jeder erdenklichen Pose fotografieren. Das richtige ethincal village sparten wir uns aus – knapp 12 EUR (!!!) wollten wir nicht auf den Tresen legen, um traditionelle Menschen in moderner Plastik-Gaffwelt zu betrachten. Wir suchten uns zu Fuss den Weg zum Seeufer, Eine leere Prachtstrasse verfolgten wir, die Beete akkurat aus dem Gärtnerbilderbuch geschnitzt, an den Seiten ein eingezäunter Compound am anderen – Wohneinheiten für reichere Chinesen, vermuteten wir. Dabei wurden die Wohnungen größer, die Anlagen grüner und alles in allem wirkte ziemlich geleckt und teuer. Am See trafen wir dann auf hunderte chinesische Touristen, die wie die ersten Menschen sich an ebensovielen Möwen erfreuten, sie fütterten, fotografierten und total aus dem Häuschen waren ob des Spektakels. Wir fanden den diese Art der touristischen Attraktion ganz lustig, knippsten schnell die Chinesen, die wiederum die Möwen knippsten und machten, dass wir uns mit dem Taxi davonstehlen konnten. Über den Bahnhof (Uhhhhfff – was für ein Mega-Gebäude) führte uns der Weg wieder zurück ins Hostel.

Auf diesem Weg schließlich, machten wir die interessantesten Entdeckungen. Der Normalfall in Kunming sind riesige moderne Bürohäuser, häufig aber auch Wohnhäuser, gern 20 Etagen und mehr hoch, die offenkundig die alten Backsteinwohnsilos ersetzen. In deren Schatten sind aber die Viertel der alten Backsteinbauten noch nicht alle getilgt. Allerdings weissen immer wieder große Abrissbaustellen darauf hin, dass man bemüht ist, diese komplett aus der Stadt zu verdrängen. Auf jeden Fall war es nicht weit von unserem Hostel und der Glitzer-Shopping-Mall-Meile entfernt, wo wir über kleine enge Gassen direkt in ein Viertel kamen, wo noch nicht mal ein X5 oder ein A6 herein gepasst hätte. Wir hatten zuvor den Eindruck, dass es so ganz ärmlich Viertel in der Stadt gar nicht mehr geben würde – aber dieser Block belehrte uns eines Besseren. Wir stapften durch so so enge Gassen, es stank nach Kloake und Müll Auf diesem Weg schließlich, machten wir die interessantesten Entdeckungen. Der Normalfall in Kunming sind riesige moderne Bürohäuser, häufig aber auch Wohnhäuser, gern 20 Etagen und mehr hoch, die offenkundig die alten Backsteinwohnsilos ersetzen. In deren Schatten sind aber die Viertel der alten Backsteinbauten noch nicht alle getilgt. Allerdings weissen immer wieder große Abrissbaustellen darauf hin, dass man bemüht ist, diese komplett aus der Stadt zu verdrängen. Auf jeden Fall war es nicht weit von unserem Hostel und der Glitzer-Shopping-Mall-Meile entfernt, wo wir über kleine enge Gassen direkt in ein Viertel kamen, wo noch nicht mal ein X5 oder ein A6 herein gepasst hätte. Wir hatten zuvor den Eindruck, dass es so ganz ärmlich Viertel in der Stadt gar nicht mehr geben würde – aber dieser Block belehrte uns eines Besseren. Wir stapften durch so so enge Gassen, es stank nach Kloake und Müll und die Eingänge waren dunkel und dreckig. Dennoch schien es in diesem Viertel alles zu geben. Kleine Garküchen versorgten auch dort die Bewohner mit frittierten Hühnerkrallen, verkauften halbe Hunde (vor allem das Hinterteil mit Schwanz) und kleine Kioske sorgten für den Rest der Waren des täglichen Bedarfs. Die Gebäude waren hier eng aneinander gebaut worden, dünne Wände, schmale und dunkle Treppen und sehr sehr enge Gebäude. Kaum Licht, keine Fenster und in den Gassen war es ähnlich dunkel. Die Leute, denen wir begegneten machten einen sehr freundlichen Eindruck, belustigten sich, dass wir das ein oder andere Foto schossen und fragten sich wohl, was wir daran finden würden. Es war auf jeden Fall sehr sehr interessant. Und wir sind durch den Spaziergang durch diese schmutzigen Gassen um einen ganzen Eindruck reicher geworden. Keine 50 Meter später, man hatte die letzte dunkle Gasse hinter sich gelassen, stand man wieder mitten auf einer Geschäftsstrasse mit durchgestylten Läden, trendigen Friseurshops und Juwelieren. China – das ist schon ganz schön krass – das ist hier streckenweise Gegensatz pur. Wie gesagt, ich denke, dass die Abrissbirnen dafür sorgen sollen, dass dieser Gegensatz nicht mehr so augenscheinlich ist. Spannend wäre zu erfahren, wohin die Menschen gehen, die zuvor die abgerissenen Gebäude bewohnten. Aber Gespräche stellen sich momentan noch insgesamt schwer dar.

Fotos, wenn übermittelt: Schuster, moderne Fußgängerzone und dunkle Gassen hinter der Glitzerwelt.

»Von meinem Samsung Mobile gesendet.«

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