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Wie der DFB auch an einem ausgefallenen Spiel verdient

Überhöhte Versandkosten, ermäßigte Ticktets die sich als Über-Normalpreis erweisen und Abwicklungskosten? Trägt der Verbraucher! Ein kleiner Artikel über die Verkaufswirklichkeit eines Fußballverbundes, der sich seine eigenen Gesetze macht und über horrende Versandkosten schon vor dem Spiel viel Geld einstreicht.

Alles fing eigentlich ganz gut und und sollte alles andere als ein Aufreger werden. Ich hatte Tickets für das Fußballländerspiel Deutschland vers. Chile beim DFB bestellt und freute mich, gemeinsam mit Freunden am 14. November in Köln das Spiel genießen zu dürfen.

Aber der Genuß wurde schon  im Vorfeld ein wenig vernebelt. Da ich ermäßigungsberechtigt (Student) bin, versuchte ich herauszufinden, wo ich denn an die angebotenen, ermäßigten Tickets herankommen könnte. Vorverkaufsstellen vor Ort in Köln oder Bonn? Nein. Sie hatten nur Vollzahlertickets. Ein Anruf bei der DFB Ticket-Hotline sollte weiterhelfen. Dort erfuhr ich, dass ermäßigte Tickets nur und ausschließlich über sie zu beziehen seien.

Das ermäßigte Ticket – 5 EUR über dem Vollzahlerpreis

Der Witz: Das Ticketbestellen über die Hotline kostet einmalig 8,-EUR Versand. Das günstigste Ticket für Vollzahler kostet 18,- EUR im Vorverkaufsshop und das günstigste ermäßigte Ticket 15,- EUR – über die Hotline. Wenn ich also nun das „günstige“, ermäßigte Ticket kaufen möchte, muss ich das über die Tickethotline tun, zahle also in jedem Fall noch einmal 8,- EUR drauf. Ergebnis: Mit dem ermäßigten Ticket hab ich am Ende 23,- EUR bezahlt – also 5,- EUR mehr (!), als der Vollzahler. Ernüchternd. Es gibt also in der günstigsten Kategorie keine Ermäßigung. Das so zu schreiben, wäre ehrlich, lieber DFB. Aber gut, das war nur der Anfang.

Ich beugte mich den vom DFB aufgestellten Spielregeln, wollte ich doch trotz allem Ärger die Nationalmannschaft in Köln gegen Chile auflaufen sehen. Ich bestellte drei Tickets der Preiskategorie 3, davon eines nun ermäßigt. Also zwei Mal 35,- EUR und einmal 25,- EUR. Beim Aufteilen der Versandkosten kam ich in dieser Kategorie dann also doch auf meine Ermäßigung. Aber gut, darum geht es jetzt nicht mehr.

Schon bei der Bestellung der Tickets an der Hotline hatte ich versucht, vom netten Herren am anderen Ende der Leitung zu erfahren, wie sich denn die 8,- EUR Versandkosten zusammensetzen würden. Die lapidare Antwort: Das sei nun mal so teuer!

Wie der DFB mit überhöhten Versandkosten Geld macht

Also stellte sich die nächste, kräftige Ernüchterung ein, als schließlich die Tickets (erst nach Spielabsage – aber das tut nichts zur Sache) in meinem Briefkasten lagen. Es handelte sich um ein Einwurfeinschreiben, frankiert mit: 2,15 EUR.  Zwei Euro und fünfzehn Cent! Wieviel hatte ich noch einmal bezahlt, um die reellen Versandkosten des DFB zu decken? Richtig: 8,- EUR.

Gut gut, kann man sagen, da ist ja noch die Verpackung dabei. Also der Briefumschlag. Okay, sag ich und rechne. Erst gestern habe ich bei der Deutschen Post 25 Briefumschläge in einem Pack gekauft. 1,49 EUR wurden mir dafür berechnet. Auch wenn ich nicht davon ausgehe, dass der DFB oder die Ticketversandzentralen ihre Briefumschläge im 25er-Pack beziehen, sondern möglicherweise günstigere Bestellmengen nutzen, nehme ich doch trotzdem mal diese Kosten, um ein einigermaßen reelles Kostenbeispiel herzuleiten. Wenn ich also diese 25 Briefumschläge auf ihren Einzelpreis herunterrechne, bleiben 5,96 Cent(!) pro Briefumschlag. Ich nehm also 6 Cent als reelle Kosten für die Versandtasche, auch wenn ich glaube, dass sie in den Ticketversandzentralen deutlich darunter liegen.

Wir rechnen also die reellen Versandkosten aus: 2,15 EUR (Einschreiben Einwurf über die Dt. Post) + 0,06 EUR für die Verpackung der Tickets = 2,11 EUR! Was hab ich bezahlt? 8,- EUR. Warum? Weil das nun mal so viel kostet. Aha.

Was bleibt? Wir ziehen von den 8,- EUR die reell entstandenen Kosten ab und bleiben bei einem Gewinn von 5,89 EUR nur von den zu hoch berechneten Versandkosten für den DFB. Einfach mitgenommen, mehr berechnet, der Kunde oder der Fußballfan kann ja schon vorher mal was in die (sicher immer klammen) DFB-Kassen spülen.

Wenn ich jetzt mal weiterdenke, und davon ausgehe, dass vielleicht 10.000 Menschen sich ihre Tickets über die Tickethotline bestellen – und ich auch nicht krümelig von 5,89 EUR, sondern etwas einfacher von 5,- EUR Reingewinn pro Versand ausgehe, dann verdient der DFB allein an seinen viel zu hohen Versandkosten bereits 50 000 Euro. Einfach so – ohne irgendwas dafür geboten zu haben. Gutes Geld – leicht verdient! Ich sollte Briefversender werden, wenn man damit so gut Geld verdienen kann.

Ich räume ein, dass ich mich hier auch gern widerlegen lasse – vielleicht weiß ja jemand, dass der DFB leider nicht so kostengünstig an Briefumschläge kommt wie ich, und sich so die enormen Mehrkosten beim Versand erklären lassen, die am Ende beim Kunden hängen bleiben. Aber bis ich widerlegt bin, halt ich es schlicht für eine Schweinerei und grob für Wucher.

Und nochmal draufgezahlt!

Die beiden bislang erwähnten Aufreger wären eigentlich gar kein Artikel geworden, wenn es nicht hinten raus noch unerfreulicher geworden wäre.

Am selben Tag (11.11.2009), an dem ich die Tickets nun aus meinem Briefkasten ziehe, sagt der DFB auf Grund des Suizids von Robert Enke das Länderspiel ab. Zu dieser Entscheidung kann man stehen, wie man möchte, dies ist hier nicht Anstoß meines Ärgers.

Ich versuchte also in den kommenden Tagen herauszubekommen, wie man die Tickets zurückgeben und das bereits gezahlte Eintrittsgeld zurückbekommen könnte. Bisland angefallene Gesamtkosten: 103,- EUR – davon 95,- EUR Tickets inkl. Vorverkaufsgebühr und 8,-EUR Versand.

Nach einigen Tagen stellte der DFB das Rücklaufprocedere ins Internet. Ticketpreis und Vorverkaufsgebühren sollten zurückerstattet werden, wenn man die Tickets (bitte als Einschreiben – so riet man mir in einer Mail vom DFB) an die zuständige Vorverkaufsstelle zurückschicke. Kein Wort dazu, wer diese Kosten trägt, bzw. ob wenigstens die bereits gezahlten Versandkosten zurückbezahlt würden. In meiner Emailnachfrage an den DFB wurde mir dann mitgeteilt, dass sich dieser Fragen gern meine Ticketvorverkaufsstelle annehmen würde.

Ich machte also Kopien von meinen Tickets, erstand einen Briefumschlag für 5,89 EUR bei der Post (ich hatte dummerweise diesmal nur den eigentlich dem DFB vorbehaltenen Ständer mit den besonders teuren Versandtaschen gefunden) und schickte meine Tickets in einem Einwurfeinschreiben (2,15 EUR) zurück an meine Verkaufsstelle. Natürlich mit der Bitte, auch die mir entstandenen Rückversandkosten in Höhe von 8,- EUR zu erstatten.

Nach 7 Tagen sehe ich auf meinem Konto einen Zahlungseingang: 95,- EUR. Kein Cent mehr – die puren Ticketkosten. Mein persönlicher Verlust: 16 EUR – für nichts. Und auch, wenn ich ein glücklicheres Händchen bei der Auswahl meines Briefumschlages gehabt hätte und am Ende doch nur 6 Cent für den Briefumschlag gezahlt hätte, dann wäre mein Verlust an der Spielabsage immer noch mit 10,21 EUR zu Buche geschlagen. Gegenüber einem Reingewinn von 5,89 EUR die der DFB gemacht hat.

Einfach so. An mir. Ohne etwas geboten zu haben! Schweinerei! Und diese Kosten in Kauf zu nehmen, war ich gezwungen, weil ich ja sonst gar nichts vom Ticketpreis wiedergesehen hätte.

Vielen Dank DFB – es war wohl das letzte Mal, dass ich ein Ticket für die Nationalmannschaft über Dich bezogen habe.

…und wenn mir jetzt noch jemand beantworten könnte, ob dieses Verfahren nicht nur nach meinem Bauchgefühl unrecht ist… ich würde mich freuen. Danke für’s lesen!

9 comments 27. November 2009

Rheinische Herbstimpressionen

Bilder einer Woche zwischen Bonn und Köln.

…und wenn man mit der Maus auf’s Bild geht, kann man es ein wenig länger betrachten.

Add comment 6. November 2009

Menschen, Daten, Schutz! Und eine Menge Idiotie…

Kaum zu fassen, was ich da gerade zu sehen bekommen habe. Und es ist so unfaßbar, dass ich dieses Blog für einen kurzen Moment aus seinem einjährigen Dornrößchenschlaf holen muss. Aber bei dem, was mir gerade über den Bildschirm gelaufen ist, konnte ich die Finger einfach nicht ruhig halten und musste zurück in mein deutsches Alltagsblog, um auf diese Sendung aufmerksam zu machen.

Nun ist es seit längerem bekannt, dass in Deutschland tausendfach Daten der SKL verkauft, verhöckert und verhehlt worden sind. Sensible Daten, Namen, Anschriften, Geburtsdaten und Bankverbindung – handlich gebündelt und einfach abrufbar auf CDs.  Man möchte meinen, ein solcher Skandal hätte die Deutschen im Umgang mit ihren Daten ein wenig wachgerüttelt – aber nein, Nachdenken ist out! Blindes Vertrauen, der Glaube an irgendwelche Vorteile durch Bonus- oder Kundenkarten ungebrochen und somit ist dem Mißbrauch weiter Tür und Tor geöffnet.

Der NDR hat in seiner Sendung extra 3 ein Team unter dem Namen „extra3-Datenschutzteam“ in Marsch gesetzt, und in Itzehoe getestet, wie die Deutschen nach dem Datenklau mit ihren Daten umgehen. Das Ergebnis: schlicht erschreckend, nein, niederschmetternd.

Die Reporter befragten Passanten auf der Strasse, ob sie Angst um ihre persönlichen Daten hätten und die Mehrzahl bestätigte diese Angst. Auf das Angebot hin, die Daten ein für alle Mal zu sichern, rückten die meisten jedoch bereitwillig sämtliche Daten, die sie bei sich hatten raus. Anschrift, Namen, Handynummern und Kontonummern. Bei einem jungen Pärchen wollten es die Reporter richtig wissen, fragten nach Kontonummer, EC-Kartennummer und sogar der PIN. Erstaunlich: Nach kurzem Zögern gaben die jungen Leute ihre Daten heraus und machten zudem einen Termin mit den Reportern, ihnen zu Hause auch Versicherungsnummern und weitere Daten zu geben.

Die Reportage ist schlicht ernüchternd. Und man sollte sich fragen, ob Datenschutz, der Umgang mit den eigenen Daten und der eigenen Privatssphäre in Deutschland überhaupt jemanden interessiert, mal abgesehen von ein paar versprengten Landes- und Bundesdatenschützern, die allzuoft für ihr wichtiges Engagement belächelt werden.

Wo ist die persönliche Kompetenz? Wo ist das Hirn? Wo bleibt das Nachdenken? Es ist schlicht zum Weinen – der Datenschutz und die Privatsphäre scheinen in Deutschland zu Fremdwörtern für die Bürger geworden zu sein. Bedeutungsleere Worthülsen. Der Sinn erschließt sich für die meisten nicht, der Nutzen noch weniger.

Zeit, dass man in der Schule anfängt, Kinder zu sensibilisieren! In Altersheimen, in Jugendclubs, in Universitäten. Zeit für eine große Kampagne, die klar macht, wie wichtig Datenschutz ist. Vergesst, dass Rauchen ungesund ist und Krebs erregen kann – Deine Daten für alle und jeden zugänglich kann um ein vielfaches schlimmer sein.

Aber wer diese NDR-Sendung sieht, muss sich ehrlicherweise fragen: Hat ein solches Volk wirklich irgendein Recht auf Datenschutz? Und wenn ja – wieviel taugt er eigentlich?

Achja – der Link zur Sendung – shock yourself!

1 comment 28. August 2008

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Nach der Reise…

Mein Blog "Nach der Reise ist vor der Reise" ist 2005 im Herbst entstanden, weil ich nach dem Reisebloggen noch immer Mitteilungsbedarf hatte.

Heute ist dieses Blog da für private Erlebnisse die im "Alltag" geschehen, zum Dampf ablassen, wenn mich etwas tierisch aufregt oder zum Aufmerksam machen - wenn ich denke, darüber sollte man doch mal reden...

Danke für Dein Interesse - danke für's Vorbeisurfen und Verweilen & erst recht vielen Dank, wenn Du Dich zum Kommentieren und Mitreden hinreißen läßt.

Gracias, Dankeschön, Merci und Thanks!

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