Menschen, Daten, Schutz! Und eine Menge Idiotie…

Kaum zu fassen, was ich da gerade zu sehen bekommen habe. Und es ist so unfaßbar, dass ich dieses Blog für einen kurzen Moment aus seinem einjährigen Dornrößchenschlaf holen muss. Aber bei dem, was mir gerade über den Bildschirm gelaufen ist, konnte ich die Finger einfach nicht ruhig halten und musste zurück in mein deutsches Alltagsblog, um auf diese Sendung aufmerksam zu machen.

Nun ist es seit längerem bekannt, dass in Deutschland tausendfach Daten der SKL verkauft, verhöckert und verhehlt worden sind. Sensible Daten, Namen, Anschriften, Geburtsdaten und Bankverbindung – handlich gebündelt und einfach abrufbar auf CDs.  Man möchte meinen, ein solcher Skandal hätte die Deutschen im Umgang mit ihren Daten ein wenig wachgerüttelt – aber nein, Nachdenken ist out! Blindes Vertrauen, der Glaube an irgendwelche Vorteile durch Bonus- oder Kundenkarten ungebrochen und somit ist dem Mißbrauch weiter Tür und Tor geöffnet.

Der NDR hat in seiner Sendung extra 3 ein Team unter dem Namen „extra3-Datenschutzteam“ in Marsch gesetzt, und in Itzehoe getestet, wie die Deutschen nach dem Datenklau mit ihren Daten umgehen. Das Ergebnis: schlicht erschreckend, nein, niederschmetternd.

Die Reporter befragten Passanten auf der Strasse, ob sie Angst um ihre persönlichen Daten hätten und die Mehrzahl bestätigte diese Angst. Auf das Angebot hin, die Daten ein für alle Mal zu sichern, rückten die meisten jedoch bereitwillig sämtliche Daten, die sie bei sich hatten raus. Anschrift, Namen, Handynummern und Kontonummern. Bei einem jungen Pärchen wollten es die Reporter richtig wissen, fragten nach Kontonummer, EC-Kartennummer und sogar der PIN. Erstaunlich: Nach kurzem Zögern gaben die jungen Leute ihre Daten heraus und machten zudem einen Termin mit den Reportern, ihnen zu Hause auch Versicherungsnummern und weitere Daten zu geben.

Die Reportage ist schlicht ernüchternd. Und man sollte sich fragen, ob Datenschutz, der Umgang mit den eigenen Daten und der eigenen Privatssphäre in Deutschland überhaupt jemanden interessiert, mal abgesehen von ein paar versprengten Landes- und Bundesdatenschützern, die allzuoft für ihr wichtiges Engagement belächelt werden.

Wo ist die persönliche Kompetenz? Wo ist das Hirn? Wo bleibt das Nachdenken? Es ist schlicht zum Weinen – der Datenschutz und die Privatsphäre scheinen in Deutschland zu Fremdwörtern für die Bürger geworden zu sein. Bedeutungsleere Worthülsen. Der Sinn erschließt sich für die meisten nicht, der Nutzen noch weniger.

Zeit, dass man in der Schule anfängt, Kinder zu sensibilisieren! In Altersheimen, in Jugendclubs, in Universitäten. Zeit für eine große Kampagne, die klar macht, wie wichtig Datenschutz ist. Vergesst, dass Rauchen ungesund ist und Krebs erregen kann – Deine Daten für alle und jeden zugänglich kann um ein vielfaches schlimmer sein.

Aber wer diese NDR-Sendung sieht, muss sich ehrlicherweise fragen: Hat ein solches Volk wirklich irgendein Recht auf Datenschutz? Und wenn ja – wieviel taugt er eigentlich?

Achja – der Link zur Sendung – shock yourself!

Eine Antwort

  1. […] Mein Gott Deutschland, wie gehst Du mit Deinen Daten um? Eine NDR-Sendung hat mich dazu veranlasst, einen Artikel in meinem Bonnblog zu verfassen – lesen, schauen, staunen, weinen – oder lachen, wenn es nicht zum Weinen […]

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