Bonn > Wien > Budapest > Novi Sad

Es ist 2034 Uhr, als der Zug am Bonner Hauptbahnhof auf Gleis 3 einrollte und wir uns unsere Plaetze in einem Abteil suchen. Der Zug ist nur maessig besetzt und weil in unserem Abteil ein aelteres Paerchen mit einzieht, entscheiden wir uns, das Nachbarabteil in Beschlag zu nehmen. Schliesslich haben wir uns in dieser Kombination seit einem guten Jahr nicht gesehen, Cogi ist erst eine Woche zuvor aus Australien eingeflogen, und da gibt es soviel zu erzaehlen, dass wir fuerchten, wir koennten unsere Mitfahrer stoeren. Stefan hatte noch aus dem Laden Reiseweinglaeser mitgebracht und bei einem Riesling beginnen wir unsere Fahrt in Richtung Osten.

In Mainz bekommen wir Gesellschaft. Marcia, ein junges Maedel, dass in Wien studiert, gesellt sich in unser Abteil. Und ab Frankfurt kommt noch Franzi hinzu. Spaeter findet auch Enzo den Weg in unser geselliges Abteil und die Zugfahrt nach Wien geraet zur gesellig-feuchtfroehlichen Nachtfahrt.

In Wien angekommen haben wir kaum ein Auge ueber Nacht zugemacht. Aber wofuer faehrt man in den Urlaub?! In Wien verabschieden wir uns von unseren bisherigen Mitreisenden und treffen unsere naechste Begleiterin bis Budapest. Argelia, eine Freundin meiner chilenischen Freundin, will ebenso von Wien nach Budapest fahren und schliesst sich unserer heiteren Maennerrunde an. Mit viel Spass und Bloedeleien naehern wir uns Budapest, wo wir am fruehen Nachmittag ankommen.  Mit Argelia gehen wir zunaechst noch etwas essen, bevor sie ihrer eigenen Wege geht und sich auf die Suche nach einem Hostel macht. Wir selbst kommen per Hospitalityclub bei Norbert unter, der mir zumindest zugesagt hatte, dass er uns am Abend irgendwo treffen wuerde.

Bei allerfeinstem Kaiserwetter erkunden wir den ganzen restlichen Nachmittag Budapest an der Donau entlang und befinden mal wieder: DAS ist eine Stadt! Architektur, die beeindruckt, ein Licht, dass alles was grau ist, in gueldensten Farben glaenzen laesst und jede Menge Gebaeude, die wir irgendwie auch gern haetten. Unbeschreiblich schoen – und streckenweise ohne weiteres so monumental wie Paris, London oder Buenos Aires.

Am Abend wollen wir uns mit Norbert in Keleti Pu treffen. Wir hatten tagsueber unsere Rucksaecke am Hauptbahnhof eingeschlossen und nach ein paar SMS taucht auch er mit einem Freund auf und nimmt uns in Empfang. Norbert wohnt nicht weit weg vom Bahnhof, teilt sich die Wohnung mit einem Mitbewohner, den wir nicht viel sehen werden und ueberlaesst uns die Schluessel seiner Wohnung, weil er selbst noch arbeiten gehen muss. Wir treffen uns am Abend noch einmal mit seinen Kumpels, die uns in eine sehr abgefahrene Bar bringen: In einem alten Fabrikinnenhof ist Schrott zu Kunst verarbeitet worden, die Haelfte der Flaeche ist ueberdacht, die andere Haelfte im Freien und mit aufgeschnittenen Autos zu einem Biergarten umfunktioniert worden. In einem weiterem Raum haengen von den Waenden alte Monitore herab, jede Menge Kabelage und es ist alles sehr duester. Weil die vorhergehende Nacht nicht sehr geruhsam ausgefallen war, brechen wir nach wenig Bier wieder auf und machen unser Nachtlager bei Norbert bereit.

Am naechsten Morgen ist Norbert auch wieder da und gemeinsam mit ihm fruehstuecken wir ziemlich ausgiebig. So ausgiebig, dass es erst der fruehe Nachmittag wird, an dem wir das Haus verlassen und wieder zu einem ausgiebigem Spaziergang entlang der Donaubruecken aufbrechen. Am Abend staerken wir uns in einer alten Moenchbrauerei, das Essen ist gut und das Bier vielfaeltig und spaet kehren wir wieder zu Norbert zurueck. Allerdings nur kurz, weil unser Plan ist, in der Nacht noch ins Rudas-Bad zu gehen.

Und so nehmen wir unsere Badehosen und laufen wieder zur Donau. Um Miternacht bezahlen wir unseren Eintritt am Rudas und kleiden uns um. Zunaechst gehen wir in ein Schwimmbecken, dass weder wirklich warm noch irgendwie beeindruckend ist,  und drohen schon frustriert die Heimkehr anzubrechen. Doch dann entdecken wir den eigentlichen Thermalteil. Ein altes Gemaeuer, unter einer Kuppel das dampfende Hauptbecken, diffuses Licht und in den vier Ecken des Raumes jeweils noch kleine Becken, die mit 28, 30, 32 und 42(!) Grad aufwarten. Alles riecht anch Schwefel, das Publikum ist durchmischt, Alte, Junge, Kinder – alles ist da und auch Dampfbad und Sauna gehoeren zur Ausstattung. Bis um 3 Uhr morgens lassen wir unsere Haut quellen und fallen spaeter schwer und entspannt in unsere Schlafsaecke.

Am Sonntag verlassen wir dann um 1 Uhr am Nachmittag mit dem Zug Budapest und begeben uns in Richtung Serbien. Im Zug bemerken wir, was passieren kann, wenn man der Sprach nicht maechtig, Tickets kauft. Wir haben, ohne es zu wollen, Return-Tickets erstanden, dabei hatten wir nicht mehr vor, von Novi Sad nach Budapest zurueckzufahren. Aber gut, das ist dann wohl das klassische Lehrgeld, dass man zu zahlen hat. Die Zugfahrt geht durch Ungarn noch recht zuegig voran, nach der serbischen Grenze kann man fast neben dem Zug herlaufen, so schnell bewegen wir uns auf unser Ziel zu.

Es ist schon stockdunkel, als wir gegen halb 8 im ziemlich smogigen Novi Sad ankommen. Ein kommunistischer Prachtboulevard mit links und rechts hohen, grauen Plattenbauten empfaengt uns und fuehrt uns in Richtung Zentrum. Wir suchen zunaechst ein Hostel, werden dank LP auch schnell fuendig und machen uns auf den Weg, eine naechtliche Entdeckungstour zu unternehmen. Und schon wenige Bloecke hinter unserem Hostel, in der Altstadt von Novi Sad, drohen uns vor Begeisterung die Augen auszufallen. Ein pittoreskes kleines, wunderschoenes Altstaedtchen mit blitzblanken Fussgaengerzonen und liebevoll restaurierten Haeusern laesst uns kaum glauben, dass wir in der Stadt sind, auf die vor 11 Jahren noch NATO-Bomben fielen. (Die Bilder bei WIKI geben einen kleinen Eindruck wieder, leider kann ich hier keine eigenen hochladen!)

Auch heute bestaetigt sich dieser Eindruck. Wir haben eine wahre Perle entdeckt. Die Donau zieht breit an Novi Sad vorbei, gegenueber trohnt die Zitadelle ueber der Stadt, von wo aus man einen wunderbaren Blick ueber die Stadt und ueber das Donautal hat. Wir geniessen bei fast noch sommerlichen Temperaturen bei einem Bierchen die Aussicht und nutzen den Tag noch fuer eien weiteren ausgeibigen Stadtspaziergang.

Morgen frueh wollen wir noch in die Fruška Gora, wo alte Kloester in den Huegeln ueber der Donau auf uns warten. Dann soll es morgen Nachmittag noch weiter nach Belgrad gehen und dann vielleicht nach Sarajevo. Der Plan ist immer noch nicht fix, aber wir werden ja sehen, wie rum wir unsere Rund bis Istanbul drehen.

Soweit aber erstmal die ersten News aus Suedosteuropa! Ich kann nur sagen, das ist hier unglaublich unterschaetzt! Es ist wunderschoen, das Wetter ist sonnig, das Essen ist oberlecker und das Bier perlt. Watt will man mehr! In diesem Sinne, es lebe Suedosteuropa!

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