Istanbul -> Sofia -> Bonn -> …ja, Bonn.

Jetzt liegt unsere kleine Reise, die eigentlich ja nur zeitlich klein, von der zurückgelegten Strecke doch eher groß war, drei Wochen zurück. Und hier fehlt eigentlich noch das letzte Puzzleteil, der letzte Bericht von den restlichen anderthalb Tagen. Und dieser soll nun hier in aller Kürze erzählt und der Volständigkeit halber nachgereicht werden.

Zuletzt hatten wir den Nachmittag in Üsküdar verbracht und ich hatte mich in einem Internetcafé versucht, nicht ganz ohne Tücken, den vergangenen Blogbericht auf einer türkischen Tastatur zu tippen, was sich vor allem an fehlenden i-Punkten bemerkbar machte. Aber egal.

In Üsküdar selbst hatten wir noch einmal ein ganz anderes Bild von Istanbul gewonnen – viel anatolischer, konservativer, aber auch originaler und ursprünglicher, als das, was wir bis dahin von Istanbul gesehen hatten. Wir hatten uns getrennt und ich war über einen bunten Gemüse-Fisch-Olivenöll-Tee-und-alles-was-man-sonst-noch-braucht-Markt geschlendert und hatte mir dort in einer kleinen Garküche 21 Fischlein braten lassen. Lecker war das – und dank der um mich rum sitzenden Türken, die ebenso ihre Fischlein mit den Fingern auseinandernahmen, wusste auch ich schnell mein Mahl auch ohne Besteck zu genießen.

Später am Nachmittag traf ich mich mit Const und Stef wieder und wir nahmen die Fähre über den Bosporus zurück auf die Altstadtseite. Dort genossen wir die Nachmittagssonne bei einem langem Spaziergang am Bosporus entlang in Richtung Stadtauswärts. Später ließen wir es uns noch in einem kleinen Viertel gut gehen, in dem nur Holzhäuser standen, und kleine Kinder Fußball auf den Straßen spielten. Wir fanden in diesem ruhigen Viertel ein kleines Restaurant und es sollte nun noch einmal Fisch geben – der wieder einmal grandios mundete. Im Anschluss beschlossen wir unseren Istanbul-Aufenthalt und ließen ihn bei einer Wasserpfeife und einem Bierchen ausklingen. Mit einem amerikansischen Paar hatten wir uns beinahe verquatscht und so geriet der Weg zum Hauptbahnhof, von woaus uns der Nachtzug nach Sofia bringen sollte, doch noch fast zu einem Sprint. Eine Minute vor Zugabfahrt sprangen wir in die Wagen der bulgarischen Staatsbahn und der Zug ruckelte los, vorbei an dem kleinen Viertel mit den Holzhäusern, entlang des Bosporus‘ hinaus aus Istanbul. Und wir wussten – wir kommen wieder. Diese Stadt war der absolute Top-Spot auf der Reise – bunt, wirr, chaotisch, reich an Facetten, Gerüchen und verschiedenen Menschen – ein absolutes Muss!

Sofia erreichten wir nach einer wieder einmal länger dauernden Nachtfahrt. Die Grenze hatte zwischen der Türkei und Bulgarien hatte wieder einmal Stunden in Anspruch genommen und das lag auch unter anderem daran, dass die bulgarischen Grenzschützer es nicht einsahen, ihre Einreisestempel im Zug zu verteilen, sondern alle Reisenden nächtens den Zug verlassen, auf halber Bahnsteigstrecke die Gleise queren und durch ein Loch im Zaun die Migrationszelle (so sah das aus) erreichen mussten, wo ein gelangweilter Soldat noch gelangweilter den Pass durchblätterte, einen Stempel langsam auf das Stempelkissen drückte und dann die Tinte in den Pass brachte. Später kamen dann lediglich noch einmal Grenzbeamte durch den Zug, um zu kontrollieren, dass auch jeder diesen Weg brav gemacht hatte. Die ganze Prozedur hätte wohl weniger als eine halbe Stune dauern können, wenn die Jungs, wie in anderen Ländern auch, einfach mit dem Stempel durch die Abteile gezogen werden – aber wen interessiert schon Zeit bei einem Nachtzug.

Wir erreichten Sofia auf jeden Fall mit gut 3-stündiger Verspätung, bei leichtem Nieselregen und grau-kühlem Herbstwetter. Recht schnell suchten wir uns ein Hostel, liefen zufällig an einem in Innenstadtnähe vorbei und quartierten uns in einen Altbau ein, aus dem eines Tages sicher mal ein richtig chices Haus werden könnte – wenn man den Spritzputz von den Wänden nimmt und sich zwischen Holzdecken und Stuck entscheidet 🙂

Wir nahmen eine Dusche und machten uns auf Erkundungstour durch Sofia. Ohne Plan eroberten wir uns Viertel für Viertel die Stadt, kamen an Strassenzügen vorbei, die an glorreiche Zeiten erinnerten, die vom Reichtum und der Macht der Stadt erzählten, und an Ecken, wo man schnell merkte, dass eben diese Zeiten auch schon lang der Vergangenheit angehörten. Alles in allem bot uns Sofia, aber das mag auch dem Wetter gelegen haben, ein graues Bild – mit wunderbaren, großen Staatsbauten, hübschen russisch-orthodoxen Kirchen und der beeindruckenden Alexander-Nevski-Kathedrale und einem grau und starr stehendem Kulturpalast. Die einzelnen Straßenzüge abseits des Stadtzentrums schienen auch eher im grau vor sich hinzuverfallen, wenngleich die Bausubstanz großartig war. Was fehlt ist Geld – das merkten wir ganz schnell in Sofia.

Den Abend verbrachten wir dann bei einem Spiel der Europa-Liga.

Und am nächsten Morgen schon noch als es dunkel war, endete für Constantin die Reise mit einem Flug vn Sofia nach Berlin. Am Nachmittag flogen Stefan und ich nach Köln/Bonn und bemerkten, wie sletsam es sein kann, wenn das, was man in 2 Wochen mit dem zug gefahren ist, auch in 2 Stunden zurücklegen kann….

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