Flughafensicherheit: Was war DA eigentlich los?

Diesen Artikel muss man nicht lesen. Man kann ihn hören:

Zahnpasta, Deo, Kontaktlinsenflüssigkeit, Cremes und Duschgel – alles muss raus aus dem Handgepäck – darf, wenn nicht größer als 100 ml, in einem verschließbaren Plastikbeutelchen mitgeführt werden und wenn größer: Dann gar nicht! Weil man damit Dinge basteln könnte, die dem Wohl der Fluggäste schaden könnten. Angeblich.

Ich halte diese Vorschrift, schon seitdem es sie gibt, für Schwachsinn. Muss mich ihr aber immer wieder beugen und habe mich daran gewöhnt. Sogar so sehr, dass ich diese Regelung zwar immer noch für überflüssig und wirkungslos halte, aber ich immer bestens drauf vorbereitet bin. Und ich spiel das Spiel mit, der Plastikbeutel wandert auf’s Scannerband bevor mich jemand danach fragen kann. Weil’s dann schneller geht. Und wenn die Politik meint, dass ich mich dank solcher Regelungen auf dem Flug sicherer fühlen soll: Bitteschön. Dankeschön, dass ihr euch um mich kümmert. Aber wie sehr wird sich denn wirklich um meine Sicherheit gekümmert?Mein letzter Flug am Anfang dieser Woche liess mich an den erhöhten Sicherheitsvorkehrungen nach den achso alarmierenden Terrorwarnungen (nichts Konkretes wusste man nicht, aber es kann gestern passieren oder im März) zweifeln.

Auch diesmal flog ich nur mit Handgepäck, hatte also mein Plastikbeutelchen gepackt und alles wurde pflichtgemäß gescannt. Meine Tütchen, meine Jacke, mein Gürtel und mein Rucksack. Alles in allem wurde für ungefährlich befunden und ich durfte auf meine verspätete Maschine warten.

Doch halt: Wer flog da eigentlich von Leipzig nach Köln/Bonn? Ich hatte mein Ticket online erworben. Mich digital-mobil-modern selbst eingecheckt. Diesmal aber nicht der Online-Check-In für Anfänger, nein. Ich wollte richtig mobil sein und erledigte es mit meinem Handy. Als Bestätigung gab es eine SMS von der Fluggesellschaft mit einem Link zu meiner mobilen Boardkarte. Super, fand ich, besser gehts nicht.

Und irgendwann, gelandet am Konrad-Adenauer-Flughafen (Bonn, Köln-Bonn) und auf dem Heimweg im Flughafenzubringer, ging mir durch den Kopf: Ich wurde nicht einmal (In Ziffern 1x) kontrolliert. Also mein Name. Meine Personalien. Ich hätte diesen Flug unter „Erwin Schlachmichtod“ oder sonst irgendwas buchen können, hätte einem Schwerverbrecher mein Handy mit der Bordkarte in die Hand drücken können und er hätte sich unbemerkt von A nach B fliegen lassen können.

Als ich in Leipzig in den Sicherheitsbereich wollte, wurde ich aufgefordert, mein Handy auf den Scanner zu legen. Ein grünes Licht sagte dem Sicherheitsmann, dass ich passieren dürfte. Beim Boarding das Gleiche. Ich erinnere mich an Flüge, da musste man die papierene Boardkarte gemeinsam mit dem Pass vorzeigen, damit die Airline sicher gehen konnte, dass auch der an Board sei, der auf der Karte steht. Nichts dergleichen beim Check und Boarding mit dem mobilen Boardkärtchen.

Ich war beeindruckt. Und irgendwie fand ich es auch gut. Dass mir mal nicht der Schwerverbrecher oder der potentielle Bombenbastler unterstellt wurde und ich, trotz ernstzunehmender Bedrohungen, völlig unkontrolliert fliegen durfte. Die Frage, die sich mir stellte, war: Ist das gewollt? Gewollt in-Kauf-genommen? Oder hat keiner beim Einführen der mobilen Boardkarten daran gedacht? Kann ich mir eigentlich alles nicht vorstellen! Aber mir scheint es, dass es da Lücken gibt. Ich mag diese Lücken. Und eigentlich wollte ich auch gar nicht darüber schreiben, weil ich diese Lücken sympathisch finde.

Und: weil sie mir das gute Gefühl vermitteln, trotz hysterischer Terrornachrichten: Ist alles gar nicht so schlimm. Und wer will der kann. Und 100 Prozent Sicherheit gibt’s sowieso nicht.  Also: touren wir doch alle bitte ein bißchen runter.

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