Streifzüge und Netzwerke – die vergangenen Tage in Kunming

Japp – das Wichtigste vornweg: Ich bin wieder auf dem Dampfer und war es auch schon einen Tag vor meinem Geburtstag wieder, so dass das Erkunden der Stadt fröhlich weitergehen konnte.

Meinen Geburtstag verbrachten wir in einem alten-neuen Teil von Kunming und zur Feier des Tages gab es feinen Regen, graue Wolken und ziemlich frische Temperaturen. Wir waren mit dem Bus nach Guandu gereist, einem Teil der Stadt, von dem wir gelesen hatten, dass es dort einen sehr schönen alten Teil geben sollte. Und als wir dann die zweistündige Bustour endlich zum erfolgreichen Abschluss brachten und ankamen, erwartete uns eine Mischung aus wirklich alten  und auf alt gemachte Gebäude – streckenweise erinnernd an einen Vergnügungspark, der auf China gestylt ist. Das Foto zeigt einen Teiul Guandus, der offenkundig noch wirklich alt war.

Wir verbrachten den Tag dort und erkundeten hinter den auf alt gemachten Stadtteil mal wieder die engen und dunklen Gassen der anliegenden alten Urban-Village-Struktur, die zwischen einem lebhafte Markt und wirklich dunklen und miefigen Gassen changierte. Am Abend gönnten wir uns dann einen Ausflug ins Vintage Café – ein Café/Restaurant gar nicht so weit von uns entfernt und feierten meinen Geburtstag mit einem leckeren Gratin, echtem Salat mit Dressing Europäisch (wir hatten am Mittag einen kleinen Garküchen-Unfall und uns deshalb für den Abend Western Food vorgenommen) und dazu gab’s war ja schließlich mein Dreissigster, ein zünftiges Weissbier. Hmmm lecker. Das chinesische Bier ist zwar zuweilen trinkbar, aber eben doch kein Ersatz für die gute deutsche Hopfenkaltschale.

Den Tag darauf machten wir eigentlich einmal mehr das, was wir immer machen. Rumlaufen, gucken, erkunden, versuchen Kontakte zu machen. Hanna hatte sich ja inzwischen mit der Professorin getroffen, die ein Migranten-Projekt heir in Kunming betreut, was für sie sehr fruchtbar war, aber leider auch den Nebeneffekt hatte, dass ich mir das Projekt nicht wirklich werde anschauen können. Denn: Die Professorin kennt jetzt den Hintergrund von Hannas Besuch und um sie besser unterstützen zu können, hatte sie sich hier und da schlau gemacht und gleichzeitig herausbekommen, dass Hanna für alles Weitere jetzt eine Research Permit braucht. Außerdem war ihr mitgeteilt worden, dass sie sie jetzt auch nicht mehr ins Projekt mitnehmen darf, so lang sie diese Permit nicht hat, was dazu führt, dass wir uns zwar mit Shiang (die Professorin) weiter treffen können, aber im Projekt nicht auftauchen können.

Allerdings führte uns unsere nächste Erkundungstour durch den Nordosten der Stadt wieder einmal vorbei an zahlreichen wahnsinnig großen Abrissbrachen und Megaubaustellen. Wir hatten vor, etwas weiter draussen ein deutsches Restaurant aufzusuchen, dass uns von Shiang empfohlen worden war. Sie lobte nicht nur die Pizza dort („Best Pizza in Kunming“), sondern gleichzeitig die Besitzerin. Sandra’s sollte ein guter Anlaufpunkt sein, um dort zu plaudern, Dinge über Kunming zu erfahren und möglicherweise neue Kontakte zu weiteren sozialen Projekten zu bekommen.

Kurz nach fünf standen wir vor dem kleinen, aber feinen Restaurant und lugten durch die Scheiben. Drin saß eine europäisch aussehende Frau und eine junge Chinesin, und als sie bemerkte, dass wir uns nicht wirklich durch die Tür trauten (wir nahmen an, es sei noch zu), kam sie zur Tür und begrüßte uns. Wir fragten, ob sie Sandra sei, sie bejahte. Wir stellten uns vor, erzählten von unserem Grund, bei ihr vorbeitzuschauen und sie lud uns auf eine Flasche Wein (echter, guter, argentinischer – sowas von gut – und selten hier in China!!!) ein.

Es wurde ein wunderbarer Abend bei Sandra. Wir plauderten mit ihr, sie erzählte uns viel über China und Kunming, über ihre Kontakte und Freunde, über ihren Weg, wie sie nach China gekommen ist und wie das Leben so war – und wir durften uns pudelwohl fühlen. Auf die erste Flasche Wein folgte die zweite, später eine Pizza, dann die dritte und so weiter, während wir uns mit ihr unterhielten, sie sich zwischendurch um ihre Gäste kümmerte und sie uns ebenso vorstellte. Witzigerweise hatte Shiang ein paar Tage zuvor bereits Sandra von Hanna und ihrem Vorhaben erzählt, und so kamen wir nur halb überraschend – denn Shiang geht wohl gern bei Sandra essen. Nach zahlreichen leckeren Weingläsern und einer Einladung, gemeinsam mit ihnen chinesisch Neujahr feiern zu können, verabschiedeten wir uns und fuhren durch die chinesische Nacht mit dem Taxi nach Haus. Völlig geplättet von so viel Gastfreundschaft, einer wirklich tollen Unterhaltung, weiteren Informationen und dem Gefühl, man hätte den Abend bei alten Freunden verbracht.

Den Sonntag verbrachten wir mit einem Ausflug in eine künstliche Parklandschaft im Nordosten der Stadt – dem Expo-Horti-Garden, der auch den Goldenen Tempel beherbergt. Dort spazierten wir durch den mit gepflasterten und asphaltierten Wegen ausgestatteten Wald und genossen vor allem die Ruhe, die es in Kunming selbst nicht soooo im Übermaß gibt.

Gestern schlenderten wir dann zunächst zum Frühstück wieder ins Salvadors. Das ist ein Café-Restaurant, dass von mehreren Amerikanern aufgemacht wurde, und wo wir zuvor schon mit einem der Besitzer über soziale Projekte gesprochen hatten. Das Café selbst hat ein solche Projekt laufen. Village Progress unterstützt ein Dorf rund sechs bis acht Stunden von Kunming entfernt, wo unter anderem alle Angestellten des Cafés herkommen, die peu a peu zu Teilhabern gemacht werden.  Collin, mit dem wir uns nun zum zweiten Mal trafen, quetschten wir noch einmal zu sozialen Projekten aus. Übrigens ist Collin einer der besten Freunde von Sandra – und insgesamt ist die Welt der hier residierenden Ausländer wohl sehr klein. Sie haben ein dichtes Netzwerk gesponnen und unterstützen sich gegenseitig, wo sie können getreu dem Motto: Wenn wir uns nicht gegenseitig helfen, tut es hier keiner.

Nach unserem Gespräch mit Collin hatten wir uns ein weiteres Urban Village vorgenommen und durchstreiften so einen weiteren Teil der Stadt. Dabei stießen wir allerdings auf einen sehr interessanten Strassenzug, der noch ganz die alten Häuser aufwies, mitten zwischen den neuen Wohnmaschinen. Wir vermuten auch, dass dieser Strassenzug gewollt erhalten wird, weil es hier noch sehr ursprünglich aussieht – eine der seltenen Chancen zu sehen, wie wohl Kunming vor dem großen Abriss- und Neubauboom ausgesehen hat.

Den Abend verbrachten wir dann Sushi-essend und DVD-schauend im Hotel, was auch mal dringend nötig war, nicht immer erst nächtens von den Streifzügen zurückzukommen.

Heute gingen wir es dann mal ganz gemächlich an und krönen den Abend mit einem Abendessen bei Shiang und ihrem Mann. Wir sind eingeladen worden, zu ihnen zu kommen und dort zu Essen, was wunderbar ist, weil wir so auch einmal sehen, wie die beiden so leben. Außerdem wird es sicherlich interessante Gespräche geben und obendrein ist es auch für Hannas Vorhaben gut, dass wir diese Verbindung weiter festigen.

Morgen machen wir dann erstmal einen urban cut – um sieben Uhr morgens werden wir aufs Land fahren und die nächsten zwei Tage in den Western Hills auf einer Bio-Farm verbringen.

PS: Das Internet ist langsam und deshalb sind hier nur wenige Bilder zu finden. Mehr gibt’s aber bereits bei Flickr, wo ich schon an einem Album arbeite. Hier geht’s lang und dann am besten „Diaschau“ klicken.

Eine Antwort

  1. Super Seite, mundet mir.

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