Xin Nian Kuai Le – mit viel Bum Bum ins Jahr des Drachens

In China wird im Gegensatz zu uns nach dem Mond und Sonnenkalender  Neujahr gefeiert. Am Abend des 22. Januars wurde also das Jahr des Drachens begrüßt sowie das Jahr des Hasens sein Ende fand. Das Neujahrsfest findet in China stets am 2. Neumond nach der Wintersonnwende statt. Insgesamt gibt es 12 Tiere im chinesischen Tierkreis, die den Jahren zugeordnet werden und sich zyklisch wiederholen.

Chinesen auf Reise
Bereits vor dem großen Event, haben wir von allen Seiten, von den Chinesen die wir hier kennen gelernt haben oder von den Ausländern die in Kunming leben, gehört, dass es der höchste Feiertag in China sei (vergleichbar mit Weihnachten in Deutschland) und alle Chinesen ihre Familien auf dem Land besuchen. Somit findet die größte Reisebewegung weltweit statt: Um die 400 Millionen Chinesen verlassen die Stadt und machen sich auf den Weg in ihre Heimatdörfer und Regionen. Je nach Mittel und Reisestrecke werden Busse, Züge, Flugzeuge oder das eigene Auto bestiegen. Dabei darf eines nicht fehlen:  Geschenke! Sehr beliebt sind Äpfel, die ein Zeichen für Fruchtbarkeit sind. Aber auch andere Früchte, Spielsachen und natürlich Feuerwerkskörper sind mit dabei. Jeder der schon mal in China unterwegs war, oder Chinesen anderswo beim Reisen erlebt hat, weiß dass sie mit soviel Gepäck reisen, dass sie es kaum alleine tragen können. So kann man mindestens einen Rollkoffer, ein bis zwei Umhängetaschen, und eine große Plastiktasche (auch in der Größe eines mindestens Handgepäckkoffers) pro reisenden Chinesen beobachten. Irgendwo untergebracht ist auch immer das Tee-Trink-Gefäß und die Plastiktüte mit Snacks (eingeschweißte Hühnerkrallen und andere Teile des Tiers, Lutschbonbons, Sonnenblumenkerne, Muffins, Mandarinen, Erdnüsse,…. um nur eine kleine Auswahl zu nennen). Na und zu Neujahr kommen zum Reisegepäck noch die Geschenke dazu. Zur Unterstützung wird dann auch gern mal ein Einkaufstrolly verwendet. In der kleinen Bergstadt Xinjie tummelten sich also Chinesen über Chinesen am Busbahnhof, die auf die Weiterfahrt in ihr Dorf warteten. Glücklicherweise waren wir genau in die andere Richtung unterwegs, wieder zurück in die Großstadt Kunming.

Leere Straßen und Taxiglück
Dort wirkt es, im Gegensatz zu sonst, angenehm ruhig. Mehr als zwei Drittel der Geschäfte und Restaurants sind geschlossen. Die einzigen Läden die offen haben sind die, in deren Hinterkammer sich auch die Wohnstube befindet. So ist natürlich unsere Wäscherei geschlossen, die nach langem Suchen endlich dazu bereit war unsere zwei Jeans zu waschen. Auch hier wunderten wir uns ein weiteres Mal über die Unlust der Chinesen Kunden zu bedienen. Liebenswürdigerweise hat Pierre (der Freund von Sandra) uns angeboten unsere Hosen abzuholen, so sind sie wenigstens nicht auf immer und ewig verloren.
Auf der Straße ist also kaum ein Auto zu sehen, die Busse sind leer und selbst für uns hält gleich das erste Taxi an. Dazu ist vielleicht interessant zu wissen, dass die Taxifahrer bisher nicht unsere Freunde waren. Oft haben wir mehr als eine halbe Stunde gewartet, entweder fuhren nur belegte Taxis vorbei, das erste freie passierte uns auch grundsätzlich. Nächste Hürde war, dass die Taxifahrer, wenn schon mal angehalten, uns nicht fahren wollten. Xiang Rong erzählte, dass die letzen drei Jahre in Kunming keine gute Zeit für sie war, denn durch die Bauarbeiten an der U-Bahn, gäbe es so viele Staus und Umleitungen, dass sie nicht viel verdienen würden. Außerdem seien Ausländer wohl keine beliebten Taxigäste, da sie sich oft unmöglich benehmen würden, v.a. in betrunkenem Zustand und teilweise nicht bezahlen würden. Ein wenig beruhigte es uns, dass wir von den meisten Reisenden die durch Kunming gekommen waren, oder auch von den hier Lebenden erfuhren, dass es ihnen mit den Taxis nicht anders erging.
Nun aber zurück zu Chinesisch Neujahr: die Stadt ist also weitestgehend ausgestorben, was mich mal wieder an meiner Kontaktpartnerin (Ling) zweifeln lässt. Die ja meinte, es sei kein Problem, dass ich zu Chinesisch Neujahr kommen würde, sie sei ja da. Dass die ganze Stadt jedoch lahm gelegt ist und eigentlich nichts wie immer ist und dass vor allem die Wanderarbeiter und Migranten nach Hause fahren, also die Menschen die ich für meine Arbeit mir ansehen möchte, nicht da sind, davon hörte ich von ihr kein Wort. Na wenn es nach ihr ginge, könnte ich ja auch sie und ihre Freunde „untersuchen“ sie seien ja auch „ordinary people“.

Fireworks: showing face and being chinese – the more the higher the better

So nun aber tatsächlich zurück zu Chinesisch Neujahr in Kunming. Das einzige was wirklich in Hülle und Fülle vorhanden ist sind Stände an denen Feuerwerkskörper in sämtlichen Größen, Formen und Preisklassen verkauft werden. Mir persönlich gefielen die Verpackung am Besten: da gab es kleine Marienkäfer Sprühbömbchen, Blümchen umwickelte Riesenwunderkerzen und Supermario-Kugeln zu erwerben. Angefangen bei 10 Kuai (=Yuan) (ca 1,20Euro) bis hin zu 900 Kuai (120 Euro) gibt es alles was das Tüftler-Zündel-Brennstoff-Herz begehrt. Sandra und Matt waren kaum zu bremsen. Mit leuchtenden Augen wurde ein ganzer Karton voller Herrlichkeiten besorgt. Für die meisten Feuerweksgeschosse die dort angeboten wären bräuchte man in Deutschland höchstwarscheinlich eine Lizenz als Sprengstoffmeister. Pierre meinte, dass die Großhändler teilweise nur dieses eine Mal im Jahr arbeiten würden, damit soviel Geld verdienen, dass sie den Rest des Jahres nichts mehr tun. Auf die Frage warum das Geböller in diesen riesigen Ausmaßen Anklang findet meinte er, dass es vor allem eine Frage des Gesicht zeigens sei, man muss zeigen was man hat! Je größer, je lauter, je heller um so besser steht man vor Familie, Freunden, Bekannten dar. Ergebnis ist, dass Unmengen an Geld in die Luft geschossen werden. Da kommt die Frage auf: Warum zahlt Deutschland Entwicklungshilfe an China?
Kleinere Knaller waren schon die letzten Tage immer wieder zu hören. Kinder spielen mit Knallfröschen und sonstigen Lärmmachern in der Straße rum. Es wird also schon von klein auf damit angefangen zu böllern und man lernt, alles was laut ist, Krach macht, ist gut. Hat man jetzt das deutsche Neujahr im Kopf, dass um Mitternacht beginnt, denkt der Chinese nicht daran bis Mitternacht zu warten. Wir begeben uns also schon so gegen 21 Uhr zu einer mit bunten kleinen Fähnchen gekennzeichnet „Feuerwerks-Abschuss-Zone“. Security Personal der Wohneinheit hält Feuerlöscher bereit und die Papier-Aufsammler, die in den frühen Morgenstunden das ganze Chaos beseitigen müssen, stehen auch schon parat. Der Müllbeseitiger in unserer Zone hatte seine vier kleinen Lausbuben und Mädchen mitgebracht, die ungeniert durch das Geböller streiften und nach übrig gebliebenen Knallern Ausschau hielten. Wahrscheinlich war er auch einfach schon da, damit sich seine Kleinen und er selbst das Feuerwerk ansehen können. (Video: Ein kleiner Eindruck vom Feuerwerk an der Abschusszone – Boxen aufdrehen für einen realistischen Eindruck)

Chris fragte ich, ob denn auch die Ärmeren Chinesen so viel Geld für Feuerwerk ausgeben würden. Er meinte ja, wenn man es sich nicht leisten kann wird eben gespart. Denn Feuerwerk zünden „is what defines your chineseness!“ Also, jeder Chinese zündet und ballert so viel es geht in die Luft, denn er ist ja Chinese und auch alle anderen sollen wissen was für ein angesehener Chinese er ist. So packte nun eine Familie nach der anderen oder auch gleichzeitig ihre riesen Böllerkisten aus. Vor lauter Rauch ist kaum was zu sehen. Die Wohneinheit in der wir uns befinden wird vor allem von BMW, Jaguar oder Lexus Fahrern, natürlich in der SUV Version, bewohnt, dementsprechend war auch das Feuerwerk nicht zu knapp. Bis kurz nach Zwölf vergeht eigentlich keine Minute in der es nicht raucht, knallt und leuchtet. Das war also unser zweites Neu Jahr 2012. Xin nian kuai le, auf dass es ein gutes, erfolgreiches Jahr des Drachen im Reich der Mitte wird!

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