Kochi, Backwaters und Gewürzplantagen

Jetzt endlich funktioniert die SIM-Karte, das Internet ist geladen und das heißt auch, dass ich nun endlich auch den Blog hier ein bisschen mit indischen Leben füllen kann. Ganz kurz vorweg: wir sind inzwischen in den Westghats – das sind die Berge, die Kerala im Westen von Tamil Nadu im Osten Indiens voneinander trennen. Hier gibt es Erhebungen bis zu 2.600m rauf, Tee und Gewürzplantagen, Schokolade und jede Menge Tiere, Pflanzen und wunderschöne Landschaft. Aber dazu erst später.

Zunächst zurück auf Los. Samstag Morgen um kurz nach 4 war mein Flieger in Kochi aufgesetzt. In Bahrein hatte ich noch geglaubt, dass ich möglicherweise nicht um diese Zeit ankommen würde, weil mir mein Übergang mit 30 min doch ein wenig knapp bemessen vorkam. Aber man hatte die Maschine nach Indien kurzerhand warten lassen, was dazu führte, dass nicht nur ich, sondern überraschenderweise sogar auch mein Gepäck pünktlich in Kochi ankamen. Hanna war an den Flughafen gekommen und hatte mich mit dem Fahrer von unserem Hostel abgeholt. Es war unglaublich viel los, morgens um halb 5 vor dem Flughafen. Ich musste mindestens 50-70 Meter durch ein Spalier von indischen Wartenden laufen, bis sich irgendwo eine Lücke ergab, die mir den Weg zu Hanna frei gab.

Mit dem Driver am Steuer ging es dann noch eine knappe Stunde durch die Nacht nach Kuzhupilly Beach, nördlich von Kochi, wo das Hostel unserer Wahl einen tatsächlich malerischen Ort bewohnte, der paradiesischer und ruhiger kaum hätte sein können. Indisches Kontrastprogramm von Anfang an. Das letzte Mal das laute, dreckige und quirlige Chennai, diesmal ein Sonnenaufgang auf einer flachen Dachterasse, Palmen um uns herum, das Meer 70 m vor uns, im Hintergrund die Backwaters und außer Tieren nichts zu hören…. Traumhaft. Bis die Sonne dann doch schon eine wenig nach oben gestiegen war genossen wir die Morgenstimmung auf dem Dach, bis wir schließlich gegen halb 8 doch ins Bett fielen.
20131120-150959.jpg(Backwaters hinter dem Hostel)

Bis in den frühen Nachmittag blieben wir auch dort, außer Strand und Ausruhen hatten wir keine Pläne. Am Mittag kam Robert, der Hostelbesitzer zu Besuch und gab uns den ein oder anderen Tipp. Robert, muss man wissen, hatte das Hostel ein paar Wochen vorher aufgemacht. Er kommt aus der Nähe von Dortmund, Mama war damals mit einem Inder zusammen, der wohl aus Kerala kam und nach einer Weltreise hatte sich Robert dazu entschieden, die nächsten sieben Jahre ein Hostel am Strand nördlich von Kochi aufzumachen. Und genau das macht er jetzt. Und wir plumpsten quasi, ohne es vorher zu wissen, als Pioniere herein. Denkt man jetzt nicht, wenn man im Internet ein Hostel in Kerala bucht und schwups, landet man in Dortmund quasi.

Hanna und ich verbrachten den Tag am Strand, am Abend schlenderten wir in die nächste größere Ansammlung von Häusern, genossen ein Fischcurry aller erster Güte und nahmen eine Rikscha zurück zum Hostel, wo der Fahrer schon fast wieder auf uns wartet. Schließlich wollte wir unsere weitere Mitreisende, Christin, auch noch am Flughafen am Abend einsammeln.

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(Unser Strand unweit vom Hostel.)

Christin landete pünktlich am Abend. Wir packten sie in den Wagen und kurvten zurück zum Hostel. Hanna und ich hatten für einen kleinen Welcome-Drink im Hostel gesorgt und nachdem wir ihr ihr Zimmer gezeigt hatten, ging’s rüber an den Strand – Schwimmen im November bei Vollmond. Es geht sicherlich auch schlechter.

Bis in die späte Nacht saßen wir auf unserer Dachterasse und genossen ein paar Bierchen und erzählten uns die Neuigkeiten, die es so zu erzählen gab. Wohl noch ein wenig Jetlag-geschädigt kämen wir viel zu spät ins Bett, was dann auch dazu führte, dass wir am Sonntag wieder erst spät rauskamen.
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(Chinesische Fischernetze in Kochi)

Allerdings hatten wir ohnehin kein Mammutprogramm vor: Kochi wollten wir sehen, schlendern gehen, Fische essen und den Tag genießen. Das klappte auch alles sehr gut. Kaum in Kochi angekommen, setzten wir mit einer der vielen Fähren nach Fort Kochi über, also in die Altstadt sozusagen. Dort schlenderten wir zunächst an den bekannten chinesischen Fischernetzen vorbei und konnten dann an einem Fischstand nicht mehr an uns halten: Zwei riesige Snapper und drei Tigerprawns nannten sich danach unser eigen. Frisch aus dem Meer, bereit, vom nächsten guten Koch an einem Stand für uns mit Ingwer, Knoblauch und Meersalz zubereitet zu werden. Gesagt getan und in einem kleinen Straßenrestaurant bemühte sich der Koch sehr, unsere Gaumen mit unserem „Fang“ zu erfreuen. Das gelang ihm auch außerordentlich gut und so konnten wir uns gestärkt die letzte Ruhestätte Vasco da Gamas, schöne Gassen und Sträßchen, Lädchen und das jüdische Viertel anschauen, bevor wir dann mit Fähre, Bus und Rikscha wieder nach Haus.
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(Auf dem Weg zum geschmacklichen Feuerwerk)

Tags drauf stand ein Strandtag an, weil in Kerala kräftig gestreikt wurde und wir uns so schon auf einen Tag am Strand eingestellt hatten. Den genossen wir dann auch in vollen Zügen zwischen Schwimmen und chillen auf dem Dach und einem geschmacklichen Feuerwerk am Abend. Die Rückfahrt vom Restaurant geriet uns allerdings zum Abenteuer. Die Mutter aller Gewitter hatte sich angemeldet und war auch schon wenige Minuten nach Auftauchen in vollem Umgang niedergegangen. Zunächst war direkt die Stromverbindung unterbrochen worden, die Straßen nur noch von unglaublich vielen und hellen Blitzen erleuchtet. Nach einer Weile war dann auch endlich doch noch eine Rikscha aufgetaucht, die uns in unser Hostel bringen sollte. 6 Kilometer, die sich bei Regen, Sturm und zuckenden Blitzen, lautem Donner und leicht panischen Gedanken, die darum kreisten, inwiefern eine Rikscha einen farradayischen Käfig darstellt, ziemlich zogen. Obendrein war die „Strasse“ inzwischen so überschwemmt und von Schlaglöchern übersät, dass die Rikscha auch streckenweise nur noch mit 5 km/h voran kam. Nicht so angenehm, während die Blitze immer ungeduldiger und der Donner immer heftiger am Himmel wütete.

Kurz und gut, wir kamen mit dem Schrecken davon und am Hostel an. Allerdings klitschnass und ein wenig verschreckt. Zwar hatte ich mich in der Rikscha nicht an den Spekulationen der Mädels beteiligt, wie und wo die Wahrscheinlichkeit vom Blitz getroffen zu werden am Höchsten oder Niedrigsten sei, bzw. ob Anhalten und die Rikscha verlassen eine gute Idee wäre – aber ich musste zugeben, dass mir das Gewitter im Hause doch wesentlich mehr zusagte, als in der Rikscha.

Nach dem Gewitter war die Luft frisch. Die Terasse stand Handbreit unter Wasser, aber dennoch genossen wir den letzten Abend dort oben – bei einem Bierchen und unserem Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg und uns drei am Abend ganz gut unterhält.

Dienstags ging es weiter nach Süden. Aber da das alles hier den Blogartikel, und viel mehr noch Eure Zeit, sprengen würde, kommt die Weiterreise in den nächsten Artikel. Soweit so lang. Bleibt dran. 😉

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