„..auf die Fresse gelegt“

Es gibt Geschichten im Alltag, die machen sprachlos. Man erlebt etwas und stellt danach fest: Da kann doch grad gar nicht gewesen sein. Mir ging es gerade so:

Ich komme am frühen Abend mit dem Fahrrad in meiner Straße nach Hause geradelt. Es ist bereits dunkel, die Strasse ist nass vom Regen und ich bin mit einem sehr hellen LED-Licht beleuchtet, dass ich, um besser von Autofahrern wahrgenommen zu werden, in den Blinkmodus geschaltet habe.

Kurz vor meiner Tür will ich von der Strasse auf den Fußweg wechseln, peile die Parkplatzauffahrt an, wo der Bordstein abgesenkt ist, bleib aber in der leichten Senke zwischen Bordstein und Rinnstein wegen der Nässe hängen, mein Vorderrad rutscht auf den nassen Kopfsteinen weg und ….rrrrrums…… ich finde mich auf dem Boden wieder!

Im gleichen Augenblick kommt eine junge Frau auf dem Rad vorbei, sie kommt aus der Gegenrichtung und muss mich stürzen sehen haben. Als sie vorbeifährt höre ich: „Naaaa – haste Dich auf de Fresse gelegt?! Geschieht Dir ja auch recht – so’n Licht is gar nicht erlaubt!“ Und radelt weiter. Ich lieg noch auf dem Boden.

Und im langsamen aufrappeln denke ich: ‚Was war das?‘ – Ich kann gar nicht schnell genug reagieren und stehe sprachlos wieder auf. Zivilcourage in Deutschland – so ist das also….

Sie musste mir nicht helfen, schließlich geschah mir das ja recht, dass ich mich gerade viel zu nah am Asphalt wiederfand – bei so einem Licht(!) – da muss man nicht helfen, nicht nachfragen, da darf man zynisch kommentieren.

Aus meiner Richtung kommt ein junger Mann in Bauarbeiterkleidung auf dem Fußweg, auf den ich gestürzt bin, gelaufen. Bei mir angekommen fragt er, ob ich okay sei, irgendetwas weh tun würde?

Ich verneine, bedanke mich und bin froh, dass nicht alle Menschen völlig ein Rad ab haben!

Schön‘ Advent!

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