Über die unerträgliche Freundlichkeit von Bahnmitarbeitern am Weihnachtsmorgen

Den ganzen Heiligen Abend über ist Schnee gefallen. Schnee in einer Masse, wie ich es eigentlich nur aus den verträumten Wintersportgebieten in den Alpen kenne. Verwehungen auf den Strassen. Die Strassen überhaupt nur noch weiß, so wie man es nur von Bildern aus dem fernen Lappland oder von den Fotos vom Weihnachtsurlaub in Island kennt. Wahnsinnig viel!

Nach Mitternachtsmesse waren wir mit Freunden traditionell einen Weihnachtsumtrunk nehmen. Bis in den frühen Morgen haben wir zusammen gesessen und trennten uns gegen 4. Die chaotische Wettersituation machte meinem Bruder und mir schnell den Plan kaputt, ein Taxi zu bekommen. Die Einzigen, die leise über den Leipzig Ring schleichen, sind voll besetzt, heben im Vorbeifahren die Schultern und verweisen darauf, dass sie voll sind.

Es ist 10 vor 5 als wir unsere erfolglose Taxisuche am Leipziger Hauptbahnhof einstellen und uns mit der Situation abfinden, nun doch auf den ersten Zug zu warten. Weiterlesen

„..auf die Fresse gelegt“

Es gibt Geschichten im Alltag, die machen sprachlos. Man erlebt etwas und stellt danach fest: Da kann doch grad gar nicht gewesen sein. Mir ging es gerade so:

Ich komme am frühen Abend mit dem Fahrrad in meiner Straße nach Hause geradelt. Es ist bereits dunkel, die Strasse ist nass vom Regen und ich bin mit einem sehr hellen LED-Licht beleuchtet, dass ich, um besser von Autofahrern wahrgenommen zu werden, in den Blinkmodus geschaltet habe.

Kurz vor meiner Tür will ich von der Strasse auf den Fußweg wechseln, peile die Parkplatzauffahrt an, wo der Bordstein abgesenkt ist, bleib aber in der leichten Senke zwischen Bordstein und Rinnstein wegen der Nässe hängen, mein Vorderrad rutscht auf den nassen Kopfsteinen weg und ….rrrrrums…… ich finde mich auf dem Boden wieder!

Im gleichen Augenblick kommt eine junge Frau auf dem Rad vorbei, sie kommt aus der Gegenrichtung und muss mich stürzen sehen haben. Als sie vorbeifährt höre ich: „Naaaa – haste Dich auf de Fresse gelegt?! Geschieht Dir ja auch recht – so’n Licht is gar nicht erlaubt!“ Und radelt weiter. Ich lieg noch auf dem Boden.

Und im langsamen aufrappeln denke ich: ‚Was war das?‘ – Ich kann gar nicht schnell genug reagieren und stehe sprachlos wieder auf. Zivilcourage in Deutschland – so ist das also….

Sie musste mir nicht helfen, schließlich geschah mir das ja recht, dass ich mich gerade viel zu nah am Asphalt wiederfand – bei so einem Licht(!) – da muss man nicht helfen, nicht nachfragen, da darf man zynisch kommentieren.

Aus meiner Richtung kommt ein junger Mann in Bauarbeiterkleidung auf dem Fußweg, auf den ich gestürzt bin, gelaufen. Bei mir angekommen fragt er, ob ich okay sei, irgendetwas weh tun würde?

Ich verneine, bedanke mich und bin froh, dass nicht alle Menschen völlig ein Rad ab haben!

Schön‘ Advent!

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