27 Tage Europa

Seit 27 Tagen bin ich wieder in Europa und ich bin kaum zur Ruhe gekommen. Frankreich, Belgien, Österreich und ein wenig Deutschland habe ich durchrannt und viel gesehen. Keine Lust auf einen langen Artikel hier – der Start im Blog „Nach der Reise ist vor der Reise“ sollte auch so beginnen, mit einem solchen Eintrag. Ich lasse Bilder sprechen:

Die Reise geht im Alltag also weiter. Schön wieder hier zu sein!

10 Stunden Leipzig oder: Für Elise.

Es ist Donnerstag Vormittag, als ich einen Anruf bekomme, der meine Planung kurzfristig komplett umkrempeln sollte. Mein Bruder ist am Telefon und berichtet mir freudig, dass er seit ein paar Stunden Papa ist. Eine kleine Elise ist völlig gesund, und rebellisch früh (anderhalb Wochen vorher), zur Welt gekommen. Angesichts meiner Mexiko-Pläne komme ich ins Überlegen. Soll ich die Kleine wirklich erst in einem Jahr mir anschauen – schließlich habe ich nicht mehr geplant, 12 Tage vor Mexiko noch einmal nach Leipzig zu kommen. Aber jetzt – es muss einen Weg geben.

Ein Anruf bei meinem anderen Bruder, der glücklicherweise Airliner ist, macht den Weg frei. Und so sitze ich Freitag morgen kurz nach 5 im Flugahfenzubringer und bin auf dem Weg zu Konrad-Adenauer-Flughafen.

Kurz vor 8 setze ich am Freitag Morgen in einem verregneten und grauem Leipzig auf. Die Wolken hängen tief und ziehen weiter in Richtung Osten. Ich bin dem rheinischen Wetter vom Vortag hinterhergeflogen. Aber egal. Grund genug, eine Sonnenblume zu kaufen und mit frischen Brötchen im Gepäck mich auf den Weg zu meinem Bruder zu machen.

Punkt Neun steh ich bei der kleinen Familie vor der Haustür und darf das neue kleine Wunder – Elise – bewundern.

Faszinierend. Zwei Tage alt, alles ist so miniklein. Die Hände sind so groß, wie das vorderste Daumenglied,

der Unterarm ist so lang, wie mein kleiner Finger. Die Finger und Zehen haben winzig kleine Miniaturnägel – es ist wirklich schon toll – so ein kleiner kleiner Mensch – aber alles ist dran und funktioniert.

Als ich bei den Dreien bin, ist Elise ziemlich schläfrig – die Augen halb offen, mal halb zu, versucht sie sich langsam an die Welt zu gewöhnen. Probleme gibt es keine, ungewohnt scheint nur noch der viele Platz auf einmal zu sein, den sie um sich herum hat. Da kann man schon einmal erschrecken und ein bißchen weinen.

Mein Besuch dauert bis zum Mittag, später taucht meine Mama, die ja mal wieder Oma geworden ist auf, und mit ihr räume ich das Feld.

Ich habe für meine Leipzig-Blitz-Aktion insgesamt nicht viel Zeit geplant. Schon am späten Nachmittag wollte ich wieder in Leipzig in den Flieger steigen und zurück nach Köln/Bonn fliegen. Trotzdem schaffe ich es noch, meinen lieben Freunde Daniel zu aktivieren und zu einem kurzen, aber leckeren hausgebrauten  Bierchen im Brauhaus zu bewegen. Eine Stunde haben  wir für unser kurzes Treffen und es ist wahrscheinlich das letzte Mal vor Mexiko, das wir uns gesehen haben. Schön, dass das geklappt hat.

Nach einem weiteren Treffen mit Mama und Papa auf ein finales Leipzig-Bier mache ich mich gegen 5 wieder auf den Weg zum Flughafen. Die Maschine zurück hat leider 40 Minuten Verspätung – 40 Minuten, die ich auch in Leipzig noch hätte nutzen können. Aber egal.

Zurück in Bonn schaue ich kurz nach 8 auf ein Ausstandsglas Sekt im Steppenwolf vorbei, danach noch auf ein Bierchen mit den Kollegen und auf dem nach-Hause-Weg noch kurz auf dem Geschichts-Sommer-Fest vorbeigewunken. Danach fahre ich, so langsam merkend, dass mir die Energie schwindet, völlig übermüdet mit dem Nightliner nach Haus – und falle in einen tieeeefen Schlaf. Ein verrückter Tag, wahnsinn, was man alles in 24 Stunden packen kann – aber alles für diesen Augenblick – alles für Elise.

Feier Tag – Feiertag – Freier Tag

Seit langem habe ich mich gestern Abend mal wieder auf einer StudiParty der Uni herumgedrückt und gemerkt – die laufen auch ohne mich ganz gut. War mal wieder ganz nett, mit freundlichen, unfreundlichen, labernden, lang-nicht-gesehenen, nie-vermissten und doch sich aufs Wiedersehen freuenden und durchaus netten Menschen mal wieder zusammenzutreffen und dann bis die Vögel zwitschern das ein oder andere alkoholische Kaltgetränk zu sich zu nehmen. In der frühe gings dann nach Hause und dann fühlt es sich doch bedeutend besser an, wenn man weiß, dass man am nächsten Morgen nicht zwangsläufig aufstehen muss. Meine Aktivitätspläne hab ich ein wenig bei Seite geschoben und mir gedacht, dass es doch wesentlich erquicklicher sein würde, aufzustehen, wenn man aufwacht und sich diesen Zeitpunkt mal nicht vom Wecker diktieren zu lassen.

So sitz ich also immernoch auf meinem Bett, werd aber gleich mal die Dusche in Anspruch nehmen und dann meinen Rucksack packen. Denn nach Leipzig will ich heut trotzdem noch fliegen, aber der Flug geht glücklicherweise erst am späten Nachmittag. Und dann heißt es , Familienfeiern in Sachsen – wir dürfen gespannt sein – also ich und der Herr Müller. 🙂

PS: Irgendwie schon toll, in einem Bundesland zu leben, in dem Fronleichnam noch ernst genommen wird, also ein freier Tag ist.

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