Mensch vor Umsatz: Der Sonntag bleibt frei!

…und das, um mal den regierenden Bürgermeister Berlins zu zitieren, ist auch gut so! Das BVG-Urteil gestern hat klargemacht: der Sonntag ist kein pures Kirchen-Ding, es geht um viel mehr – nämlich am Ende um Mensch vor Absatz!

„Persönliche Ruhe, Besinnung, Erholung und Zerstreuung“ – das sind die anderen Funktion des ersten Tages der Woche für all jene, die nicht den Sonntag primär für den Kirchgang nutzen wollen/müssen, sagt das BVG. Und das es zur Begründung für großzügige Sonntags-Ladenöffnungenmehr als wirtschaftlicher Interessen der Ladenbesitzer“ bedürfe, ist eine humane(!) Hürde.

Das Urteil also ein Sieg für die Menschen und für jeden einzelnen Menschen in unserem Land, der schon glaubte, dass, wenn es um Kohle geht, der Mensch sich schlichtweg beugen muss.

Gut, dass beim Bundesverfassungsgericht noch der Mensch etwas zählt!

Schade, dass die bestehende Regelung in Berlin noch bis Ende des Jahres gelten wird, denn so haben die eigentlich Leidtragenden von diesem Urteil kurzfristig nichts.

Und wenn ich dann in Berichten „Spontan-Shopper“ sehe, die diese Entscheidung bedauern, weil sie Sonntags nun nicht mehr „spontan einkaufen gehen können“ (Eine junge Frau im ZDF Heute Journal – leider nicht im Bericht hierunter) – dann frag ich mich, wie armselig ist das denn, wenn einem Sonntags nichts anderes einfällt, als shoppen zu gehen.

Das Urteil in der ZDF-Berichterstattung – siehe Video.

Und noch einmal: Danke BVG – gut, dass es solch eine Institution in Deutschland gibt.

10 Stunden Leipzig oder: Für Elise.

Es ist Donnerstag Vormittag, als ich einen Anruf bekomme, der meine Planung kurzfristig komplett umkrempeln sollte. Mein Bruder ist am Telefon und berichtet mir freudig, dass er seit ein paar Stunden Papa ist. Eine kleine Elise ist völlig gesund, und rebellisch früh (anderhalb Wochen vorher), zur Welt gekommen. Angesichts meiner Mexiko-Pläne komme ich ins Überlegen. Soll ich die Kleine wirklich erst in einem Jahr mir anschauen – schließlich habe ich nicht mehr geplant, 12 Tage vor Mexiko noch einmal nach Leipzig zu kommen. Aber jetzt – es muss einen Weg geben.

Ein Anruf bei meinem anderen Bruder, der glücklicherweise Airliner ist, macht den Weg frei. Und so sitze ich Freitag morgen kurz nach 5 im Flugahfenzubringer und bin auf dem Weg zu Konrad-Adenauer-Flughafen.

Kurz vor 8 setze ich am Freitag Morgen in einem verregneten und grauem Leipzig auf. Die Wolken hängen tief und ziehen weiter in Richtung Osten. Ich bin dem rheinischen Wetter vom Vortag hinterhergeflogen. Aber egal. Grund genug, eine Sonnenblume zu kaufen und mit frischen Brötchen im Gepäck mich auf den Weg zu meinem Bruder zu machen.

Punkt Neun steh ich bei der kleinen Familie vor der Haustür und darf das neue kleine Wunder – Elise – bewundern.

Faszinierend. Zwei Tage alt, alles ist so miniklein. Die Hände sind so groß, wie das vorderste Daumenglied,

der Unterarm ist so lang, wie mein kleiner Finger. Die Finger und Zehen haben winzig kleine Miniaturnägel – es ist wirklich schon toll – so ein kleiner kleiner Mensch – aber alles ist dran und funktioniert.

Als ich bei den Dreien bin, ist Elise ziemlich schläfrig – die Augen halb offen, mal halb zu, versucht sie sich langsam an die Welt zu gewöhnen. Probleme gibt es keine, ungewohnt scheint nur noch der viele Platz auf einmal zu sein, den sie um sich herum hat. Da kann man schon einmal erschrecken und ein bißchen weinen.

Mein Besuch dauert bis zum Mittag, später taucht meine Mama, die ja mal wieder Oma geworden ist auf, und mit ihr räume ich das Feld.

Ich habe für meine Leipzig-Blitz-Aktion insgesamt nicht viel Zeit geplant. Schon am späten Nachmittag wollte ich wieder in Leipzig in den Flieger steigen und zurück nach Köln/Bonn fliegen. Trotzdem schaffe ich es noch, meinen lieben Freunde Daniel zu aktivieren und zu einem kurzen, aber leckeren hausgebrauten  Bierchen im Brauhaus zu bewegen. Eine Stunde haben  wir für unser kurzes Treffen und es ist wahrscheinlich das letzte Mal vor Mexiko, das wir uns gesehen haben. Schön, dass das geklappt hat.

Nach einem weiteren Treffen mit Mama und Papa auf ein finales Leipzig-Bier mache ich mich gegen 5 wieder auf den Weg zum Flughafen. Die Maschine zurück hat leider 40 Minuten Verspätung – 40 Minuten, die ich auch in Leipzig noch hätte nutzen können. Aber egal.

Zurück in Bonn schaue ich kurz nach 8 auf ein Ausstandsglas Sekt im Steppenwolf vorbei, danach noch auf ein Bierchen mit den Kollegen und auf dem nach-Hause-Weg noch kurz auf dem Geschichts-Sommer-Fest vorbeigewunken. Danach fahre ich, so langsam merkend, dass mir die Energie schwindet, völlig übermüdet mit dem Nightliner nach Haus – und falle in einen tieeeefen Schlaf. Ein verrückter Tag, wahnsinn, was man alles in 24 Stunden packen kann – aber alles für diesen Augenblick – alles für Elise.

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