Frohes Fest!

Über die unerträgliche Freundlichkeit von Bahnmitarbeitern am Weihnachtsmorgen

Den ganzen Heiligen Abend über ist Schnee gefallen. Schnee in einer Masse, wie ich es eigentlich nur aus den verträumten Wintersportgebieten in den Alpen kenne. Verwehungen auf den Strassen. Die Strassen überhaupt nur noch weiß, so wie man es nur von Bildern aus dem fernen Lappland oder von den Fotos vom Weihnachtsurlaub in Island kennt. Wahnsinnig viel!

Nach Mitternachtsmesse waren wir mit Freunden traditionell einen Weihnachtsumtrunk nehmen. Bis in den frühen Morgen haben wir zusammen gesessen und trennten uns gegen 4. Die chaotische Wettersituation machte meinem Bruder und mir schnell den Plan kaputt, ein Taxi zu bekommen. Die Einzigen, die leise über den Leipzig Ring schleichen, sind voll besetzt, heben im Vorbeifahren die Schultern und verweisen darauf, dass sie voll sind.

Es ist 10 vor 5 als wir unsere erfolglose Taxisuche am Leipziger Hauptbahnhof einstellen und uns mit der Situation abfinden, nun doch auf den ersten Zug zu warten. Weiterlesen

Knecht Ruprecht

Von drauß vom Walde komm‘ ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!


Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;


Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit großen Augen das Christkind hervor,


Und wie ich so strolcht‘ durch den finstern Tann,
Da rief’s mich mit heller Stimme an:


„Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!


Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,


Alt‘ und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens ruhn;


Und morgen flieg‘ ich hinab zur Erden,
Denn es soll wieder Weihnachten werden!“


Ich sprach: „O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;


Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo’s eitel gute Kinder hat.“ –


„Hast denn das Säcklein auch bei dir?“

Ich sprach: „Das Säcklein, das ist hier;


Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
Essen fromme Kinder gern.“ –


„Hast denn die Rute auch bei dir?“
Ich sprach: „Die Rute, die ist hier;


Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil, den rechten.“


Christkindlein sprach: „So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!“


Von drauß vom Walde komm‘ ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!


Nun sprecht, wie ich’s hierinnen find‘!
Sind’s gute Kind, sind’s böse Kind?

Theodor Storm (1817-1888)

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