Ahrtal-Testival

Am Sonntag hat es mich mal wieder ins Ahrtal verschlagen. Und ja, Käthe, jetzt schreib ich hier doch noch drübber 🙂 … Also, ich war mit Käthe unterwegs und wir hatten das erklärte Ziel uns Blasen zu laufen.

Naja, nicht wirklich. Aber wir waren zumindest mit Blasenpflaster im Gepäck gestartet und wollten unsere jeweils neuen Schuhe mal auf die Draussen-Tauglichkeit überprüfen. Ich hatte meinen etwas overdresseden (wie schreibt man solche Worte eigentlich?) steigeisenfesten All Degree Lite aus dem Hause Raichle ja schon ein ganz kurzes Mal um den DRachenfelsen geführt, und wollte ihn nun mal einem längeren Ausflug unterziehen, und Käthe wollte ihre Nova XCR aus eben jenem gleichen schweizer Schusterhäuschen einlaufen. Also setzten wir uns in den juten alten Ahrexpress (immer um 49 – Gleis 4, wissterbescheid!) und fuhren bis Ahrbrück. Dort begannen wir dann mehr der Nase nach denn geplant unsere Tour zunächst gen Süden, querfeldein zur Dennerhütte.

Rund um den Rott (476m) liefen wir nach einem Regenstopp in der Dennerhütte weiter. Der Regen hatte für ein herrliches Klima gesorgt und die Erde dampfte regelrecht, als die Sonne heraus kam. Übrigens hat der Fingerhut im Kesselinger Wald gerade Hochsaison – wie man auch den Bildern entnehmen kann. Nachdem wir irgendwo nicht ganz gewollt falsch abgebogen waren, standen wir auf einmal in Weidenbach am Weidenbach und mussten dann uns wieder das Tal nach vor in Richtung Kesseling schlagen. Bei mehreren FLuss- (na gut, Bach…)querungen hatten auch die Schuhe jeweils ihre Wasserdichte ausreichend unter Beweis gestellt. Allerdings mussten Sie das angesichts der nassen Wiesen den ganzen Tag tun. Und sie taten das auch sehr gut.

In Kesseling dann ging es wieder in altbekanntes Revier. Den Steinerberg hinauf wollten wir wissen, ob denn das gute alte Steinerberghaus wieder geöffnet ist. Nach einem Pächterwechsel waren die wildesten Gerüchte umgegangen und es klang alles eher nicht danach. Nachdem wir uns aber gestärkt duch massenweise Walderdbeeren hoch auf den Steinerberg gekämpft hatten, fanden wir das Haus offen vor.

Die neuen Pächter waren da, und da wir recht spät dran waren, waren nur die Beiden noch da. Von den Beiden (Hanne und Ralf) erfuhren wir dann auch ihre Pläne für das Steinerberghaus. Sie wollen es jetzt peu a peu renovieren und ab Sommer wieder voll da sein. Dann gibts auch wieder Übernachtungsmöglichkeiten und lecker Essen. Achja, und Hanne will ganz lecker Kaffeespezialitäten anbieten – schnöder Kaffee adé! Außerdem gaben uns die beiden noch einen kurzen Einblick in die Weinhistorie des Ahrtals. Der erste Wein wurde nämlich gar nicht an der Ahr angebaut, sondern in good-old-verschlafen-and-vergessen Kesseling. Dort hatten nämlich die Mönche in ihrem kleinen Kloster bereits um 762 die ersten Reebstöcke kultiviert und deren Früchte zu lecker Wein gekeltert. Datt will zwar heute, laut Hanne und Ralf, im Ahrtal keiner mehr wahr haben, is aber so. So! Und damit hab ich das dann auch mal hier festgehalten. Nachdem wir uns viel zu spät auf den Weg nach Rech gemacht hatten, holte uns noch auf dem Abstieg die Dunkelheit ein. Den Abstieg machten wir über den alten Dohdepfatt (Totenpfad), auf dem früher die Recher ihre Leichen rübber nach Kesseling brachten. Die hatten nämlich lange keinen eigenen Friedhof und deshalb schafften sie ihre verblichenen Angehörigen über den Steinerberg nach Kesseling. Naja, auf jeden Fall hatten wir eigentlich den letzten Zug zurück nach Bonn bekommen wollen, hatten aber kein Glück, weil Rheinlandpfalztag war und verpassten aus unerfindlichen Gründen die letzten ÖPNV-Möglichkeit zurück nach Hause. Also machten wir uns mit dem letzten Zug nach Altenahr auf (falsche Richtung, ich weiß, aber wir erhofften uns dort mehr Möglichkeiten). Dort checkten wir die Übernachtungsmöglichkeiten, aber keine wollte unserem Geldbeutel gerecht werden. Im Weißen Kreuz (Hotel) war der Wirt dann so freundlich, uns den Taxi-Preis nach Bonn zu recherchieren und siehe da – der war dann doch tatsächlich noch günstiger, als ne Nacht in der deutschen Tourismushochburg Altenahr. Zurück in Bonn feierten sich gerade die Türken die Seele aus dem Leibe und legten sämtliche Strassen und Wege lahm. Gegen Mitternacht war ich wieder zu Haus und die Schuhe hatten meinen Füßen einen guten Dienst erwiesen. Über zehn Stunden war ich in den Schuhen drin, Blasebpflaster waren überflüssig gewesen und die Füße fühlten sich noch wohl. Rundum ein gelungenes Testival und ein reicher Neuerkenntnisgewinn über die Geschichte des Ahrtales, den Wein, Kesseling, Ralf und Hanne und deren hier noch nicht erwähnte zwei Wildschweine Heribert und Bubes und das Fortbestehen des Steinerberghauses machten Tag zu einer feinen Geschichte.

Unn nu? Ja auf zur Arbeit…

Hups: Eins hatte ich noch fast vergessen: Wir haben auf unserer Wandertour ne Menge Tiere gesehen. Von Rotwild, über Buntspecht, freche Spitzmäuse, Käfer, Fliegen, Hubschrauber-Fliegen bis hin zu Bussarden. Auch so gesehen ein Erlebnis. Nur das einzige Tier, dass nicht zu schnell für mich und meine Kamera war – war der hier!

Testival Tropical – Bonner Tropen

(c) Jakob Mueller.

25-28 Grad Celcius. Der Himmel tief bedeckt. Die Luft schwer und feucht. Das Atmen fällt schwer und jeder Schritt und jede Bewegung treibt neuen Schweiß auf die Stirn. Wetter, das ich so eigentlich nur aus Südostasien, oder Südamerika kenne, oder in unseren Breiten maximal ganz kurz vor einem Gewitter vorkommt. Wenn sich der Himmel verdunkelt, die Wolken schon fast über Einem hängen und der kurze Augenblick passiert, dass kein Lüftchen weht, absolute Ruhe einkehrt und es im nächsten Moment beginnt, zu schütten wie aus Eimern, begleitet von Blitzen und Donner.

Hier in der Kölner Bucht hält sich das Wetter aber irgendwie nicht daran, was es hier machen darf und welche Wallungen auf welchen Kontinent gehören. Seit einer knappen Woche herrscht hier genau eben dieses tropische Klima und der übliche europäische Gewitterguß bleibt einfach aus. Es ist einfach den ganzen Tag so wie kurz davor, aber es gibt eben kein danach. Bis auf vergangene Nacht. Da hat es sich das Wetter wohl dann doch mal anders überlegt. Halb fünf Uhr am Morgen zuckten Blitze im Sekundentakt vor meiner Jalousie, es goß und goß und goß, Donner und Krachen und nach einer halben-dreiviertel Stunde – alles vorbei. Heute morgen mache ich die Jalousie auf und denke, dass nach diesem Guß die Strasse unter Wasser stehen müsste. Aber was tut sie? Sie ist trocken. Als wär nichts gewesen. Und der Himmel? Grau. Bedeckt. Tief verhangen. Due Luft frisch? Pustekuchen. Immernoch dick, schwer, feucht, schwül, tropisch! Wahnsinn.

(c) Jakob Mueller.

Bei diesen tropischen Temperaturen wollte ich dann gestern dennoch meine neuen Wanderschuhe testen gehen. Seit einer Woche lagen sie im Steppenwolf und ich wollte doch, nach stundenlangem Teppichlaufen, die Schuhe auch einmal im Draussen-Einsatz unter die Lupe nehmen und schauen, ob dies die richtigen Treter für mexikanische Vulkane sein könnten. Zugegeben, in der Bahn sitzend auf dem Weg ins Siebengebirge kam ich mir dann mit einem steigeisenfesten Schuh doch schon ein wenig overdressed vor. Und ich muss auch sagen, dass diese Schuhe eigentlich wirklich eher in alpinem Gelände zu Hause sind. Aber was soll ich machen. Ich hab nun mal nicht die Alpen um die Ecke, sondern Siebengebirge und Eifel. Und Siebengebirge ist am Nächsten. Also bin ich in Königswinter ausgestiegen und habe bin den Gipfelsturm Drachenfels angegangen. Auf dem Weg nach Oben war ich dann doch recht froh, dass ich mein kleines Testival unter der Woche gemacht habe und so kaum Leute auf dem Gipfel unterwegs waren, die mich ob meiner doch ein wenig übertriebenen Schuhe hätten allzusehr belächeln können. Auf dem Drachenfels dann schließlich drängelte sich eine, oder zwei Schulklassen, also ließ ich den Gipfel schnell hinter mir und stürmte weiter auf den kleinen Vorgipfel, der sogar ein kleines Gipfelkreuz hat und auf den man noch ein bißchen raufklettern muss.

(c) Jakob Mueller.

Als ich das letzte Mal da oben war, um dort zu frühstücken, war gerade kein Gipfelbuch da – gestern war nicht nur dies wieder da – jemand hatte den Gipfel auch optisch ins Himalaya verlagert und das Gipfelkreuz mit Gebetsfahnen geschmückt. Eine gute halbe Stunde genoß ich die Aussicht über die Weinberge von Rhöndorf, den Rhein und das Siebengebirge. Einen Eintrag im Gipfelbuch und zwei Zecken am Oberschenkel (die ich erst zu Haus bemerkte) später, ging ich den Abstieg an. Nach zehn weiteren Minuten auf dem Rheinsteig kam dann doch noch ganz unvermittelt die Sonne raus.

(c) Jakob Mueller.

Lange währte der Schein zwar nicht, aber immerhin begleitete mich die Sonne dann noch durch den Wald hinab wieder ins Tal.

(c) Jakob Mueller.

Und angekommen in Rhöndorf hatte ich dann doch einen recht guten Eindruck meiner Schuhe bekommen. Alles in Allem ein wunderbarer Allrounder, der fester ausschaut, als er ist, mein Raichle All Degree Lite. Bis auf die Fersen ist der Sitz sehr komfortabel, aber die werden sich auch noch daran gewöhnen müssen. Beim nächsten Mal werde ich sie mir wohl ein wenig abtapen müssen, bis sie und der Schuh vollends zueinander gefunden haben. Trotzdem werde ich im Siebengebirge wahrscheinlich nicht so schnell wieder mit sooo festem Schuhwerk unterwegs sein. Hier tun es wohl weiterhin Halbschuhe.

(c) Jakob Mueller.

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