50 Grad kälter, gut 8.000 km weiter drüben und ein neuer Start am See

Vor einer Woche, da konnte ich mich vor Hitze kaum retten. Da schien die Sonne, nein, sie bruzelte aus dem Zenit mörderisch und direkt auf den Kopf. Schon morgens war man vom Aufstehen – ach, was sag ich – vom Nichtstun im Schlafe verschwitzt – es war verhext – es wehte bis zum Nachmittag kein Lüftchen und Schatten und kühle Luft wären etwas gewesen, wofür man bereit gewesen wäre, dass ein oder andere herzugeben.

40 Grad in Mahabalipuram

40 Grad in Mahabalipuram

Jetzt bin ich gut 8.000 km weiter westlich wieder – und nördlicher – viel viel nördlicher, macht das Wetter glauben. Man könnte meinen, es sind ein paar mehr Dinge auf der Welt, als Essen, Geld, Wasser und Wohlstand, die nicht ganz fair verteilt sind. Ich spreche vom Wetter – und plädiere für einen fairen Mix. Aus Sonne und Wolken, Regen und Schnee für alle – zur gegebenen Zeit. Was sollen die Einen mit all der Sonne, während die Andern unter dem Schnee ächzen und gern mal einen frühlingshaften Strahlen zu Gesicht bekämen? Wie wäre es, man mixte das stickig-hitzige 42-Grad-Sonne-aus-dem-Zenit-Wetter Madureis, mit den verschneit-verregneten Minusgraden des Allgäus? Es könnte dabei doch jeder nur gewinnen…. ach wär es doch manchmal einfach nur einfach… Weiterlesen

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…wenn jetzt Sommer wär.

Ja, wenn jetzt Sommer wär – aber der hat sich ja dieses Jahr auf ein kurzes und intensives Juni-Juli-Intermezzo beschränkt. Klar, schön war das, aber der August hat jetzt schon wieder dafür gesorgt, dass man meinen könnte, der Sommer 2010 liegt schon wieder weit zurück.

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Testival Tropical – Bonner Tropen

(c) Jakob Mueller.

25-28 Grad Celcius. Der Himmel tief bedeckt. Die Luft schwer und feucht. Das Atmen fällt schwer und jeder Schritt und jede Bewegung treibt neuen Schweiß auf die Stirn. Wetter, das ich so eigentlich nur aus Südostasien, oder Südamerika kenne, oder in unseren Breiten maximal ganz kurz vor einem Gewitter vorkommt. Wenn sich der Himmel verdunkelt, die Wolken schon fast über Einem hängen und der kurze Augenblick passiert, dass kein Lüftchen weht, absolute Ruhe einkehrt und es im nächsten Moment beginnt, zu schütten wie aus Eimern, begleitet von Blitzen und Donner.

Hier in der Kölner Bucht hält sich das Wetter aber irgendwie nicht daran, was es hier machen darf und welche Wallungen auf welchen Kontinent gehören. Seit einer knappen Woche herrscht hier genau eben dieses tropische Klima und der übliche europäische Gewitterguß bleibt einfach aus. Es ist einfach den ganzen Tag so wie kurz davor, aber es gibt eben kein danach. Bis auf vergangene Nacht. Da hat es sich das Wetter wohl dann doch mal anders überlegt. Halb fünf Uhr am Morgen zuckten Blitze im Sekundentakt vor meiner Jalousie, es goß und goß und goß, Donner und Krachen und nach einer halben-dreiviertel Stunde – alles vorbei. Heute morgen mache ich die Jalousie auf und denke, dass nach diesem Guß die Strasse unter Wasser stehen müsste. Aber was tut sie? Sie ist trocken. Als wär nichts gewesen. Und der Himmel? Grau. Bedeckt. Tief verhangen. Due Luft frisch? Pustekuchen. Immernoch dick, schwer, feucht, schwül, tropisch! Wahnsinn.

(c) Jakob Mueller.

Bei diesen tropischen Temperaturen wollte ich dann gestern dennoch meine neuen Wanderschuhe testen gehen. Seit einer Woche lagen sie im Steppenwolf und ich wollte doch, nach stundenlangem Teppichlaufen, die Schuhe auch einmal im Draussen-Einsatz unter die Lupe nehmen und schauen, ob dies die richtigen Treter für mexikanische Vulkane sein könnten. Zugegeben, in der Bahn sitzend auf dem Weg ins Siebengebirge kam ich mir dann mit einem steigeisenfesten Schuh doch schon ein wenig overdressed vor. Und ich muss auch sagen, dass diese Schuhe eigentlich wirklich eher in alpinem Gelände zu Hause sind. Aber was soll ich machen. Ich hab nun mal nicht die Alpen um die Ecke, sondern Siebengebirge und Eifel. Und Siebengebirge ist am Nächsten. Also bin ich in Königswinter ausgestiegen und habe bin den Gipfelsturm Drachenfels angegangen. Auf dem Weg nach Oben war ich dann doch recht froh, dass ich mein kleines Testival unter der Woche gemacht habe und so kaum Leute auf dem Gipfel unterwegs waren, die mich ob meiner doch ein wenig übertriebenen Schuhe hätten allzusehr belächeln können. Auf dem Drachenfels dann schließlich drängelte sich eine, oder zwei Schulklassen, also ließ ich den Gipfel schnell hinter mir und stürmte weiter auf den kleinen Vorgipfel, der sogar ein kleines Gipfelkreuz hat und auf den man noch ein bißchen raufklettern muss.

(c) Jakob Mueller.

Als ich das letzte Mal da oben war, um dort zu frühstücken, war gerade kein Gipfelbuch da – gestern war nicht nur dies wieder da – jemand hatte den Gipfel auch optisch ins Himalaya verlagert und das Gipfelkreuz mit Gebetsfahnen geschmückt. Eine gute halbe Stunde genoß ich die Aussicht über die Weinberge von Rhöndorf, den Rhein und das Siebengebirge. Einen Eintrag im Gipfelbuch und zwei Zecken am Oberschenkel (die ich erst zu Haus bemerkte) später, ging ich den Abstieg an. Nach zehn weiteren Minuten auf dem Rheinsteig kam dann doch noch ganz unvermittelt die Sonne raus.

(c) Jakob Mueller.

Lange währte der Schein zwar nicht, aber immerhin begleitete mich die Sonne dann noch durch den Wald hinab wieder ins Tal.

(c) Jakob Mueller.

Und angekommen in Rhöndorf hatte ich dann doch einen recht guten Eindruck meiner Schuhe bekommen. Alles in Allem ein wunderbarer Allrounder, der fester ausschaut, als er ist, mein Raichle All Degree Lite. Bis auf die Fersen ist der Sitz sehr komfortabel, aber die werden sich auch noch daran gewöhnen müssen. Beim nächsten Mal werde ich sie mir wohl ein wenig abtapen müssen, bis sie und der Schuh vollends zueinander gefunden haben. Trotzdem werde ich im Siebengebirge wahrscheinlich nicht so schnell wieder mit sooo festem Schuhwerk unterwegs sein. Hier tun es wohl weiterhin Halbschuhe.

(c) Jakob Mueller.

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