Nebelwolken, hohe Berge und Tee – soweit das Auge reicht

Der Führer sagt: Munnar selbst ist keine Perle. Und der Reiseführer hat Recht behalten. Das Städtchen mitten in den Westghats, umgeben von hohen Bergen, den höchsten Südindiens (bis 2.700m), ist chaotisch, klein, schmutzig. Und nicht bleibenswert. Aber wegen Munnar kommt man auch nicht nach Munnar – sondern wegen der beeindruckenden Berg- und Teeplantagenwelt drumherum.

Wir hatten uns mit dem Bus von Thekkady durch die dschungelartigen Höhenwälder immer weiter hochgeschraubt, bis die Kamera schon ein zwei Stunden vor Munnar fast nur noch im Dauerbildmodus vor sich hinklackte. Wir waren in ein Meer von Teeplantagen getaucht, Berghänge voller sattem Grün, buschigen Flanken, durchzogen von den malerischen Linien der Teefelder. Traumhaft.
20131127-064851.jpg(Während wir „Ahhhh“ und „guckmal!!!“ staunend aus dem Fenster sehen, ist diese beeindruckende Landschaft für andere Alltag.)

20131127-065105.jpg(Tee soweit das Auge reicht)

In Munnar angekommen, wollten wir zunächst unser Programm für die nächsten zwei bis drei Tage organisieren. Wir hatten gelesen, dass Gleitschirmfliegen für sehr überschaubares Geld möglich sei, den höchsten Berg Südindiens, den Anamudi, besteigen, und die Teeplantagenbergwelt genießen, vielleicht mit einem Jeep eine Tour durch die Berge.

Es kam aber leider anders, als gewünscht, aber trotzdem nicht schlecht. Gleitschirmfliegen gab es nicht mehr – einer der Lehrer war vor drei oder vier Jahren unsanft gegen eine Felswand geflogen, und hatte dem Sport in den Westghats (und leider auch sich selbst) ein Ende gesetzt. Der Anamudi, so sollte sich als nächstes herausstellen, darf nicht bestiegen werden, weil eine seltene Ziegenart dort lebt und weidet. Die Möglichkeit, mit einem Governmentbus bis in die Nähe der Spitze zu fahren, und dort 200m Spazieren gehen zu dürfen, hielten wir für wenig attraktiv. Für Wandertouren erschien uns das Wetter zu unsicher – und so blieb am Ende die Jeeptour, die wir dann für Sonntag planten.
20131127-070104.jpg(Mit dem Mahindra Commander durch die Westghats)

Die Nacht verbrachten wir mangels schönerer Alternativen im eher schäbigen Aida-Hotel. Geplant war eigentlich, dass wir auf ein Cottage außerhalb Munnars gehen, aber das war leider noch belegt, so dass wir dort erst Sonntag Abend hinfahren konnte. Also gingen wir Sonntag Morgen auf Jeeptour. Mit einem Fahrer kurvten wir durch die atemberaubende Bergwelt, fotografierten die Teeplantagen, hörten indische Groovesounds vom MP3-Player unseres Drivers und genossen so den Tag bis sich mittags die Wolken die Hänge emporarbeiteten und so langsam die Sicht auf die Weite versperrten.
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Zurück in Munnar labten wir uns an den Kochkünsten der kleinen, und schmutzigen Hot Kitchen, die aber am Strassenrand ein grandioses Essen zubereitete. Und mit dem Jeep ging es dann ins Cottage.
Ein traumhafter Ort, den wir von Hannas Bruder empfohlen bekommen hatten, der im Frühjahr dort gewesen war.
20131127-071521.jpg(Green View Cottage)

Das Cottage lag etwas tiefer als Munnar, was sich sowohl an der tropischen Vegetation und an den milderen Temperaturen bemerkte ließ. Hier genossen wir den Nachmittag, lasen Buch, spielten Spiele und freuten uns an der Landschaft rundherum.

Am Montag Mittag verließen wir diesen traumhaft paradiesischen Ort und nahmen in Munnar den nächsten Bus, der uns über 4,5h wieder auf die östliche Tiefebene vor den Westghats bringen sollte – hinein nach Tamil Nadu. Die Strecke blieb spektakulär, bis wir in scharfen Kurven eine steile Straße ins Tal hinabfuhren. Die Straße musste in den letzten Wochen mehrere Erdrutsche erlebt haben, Felsbrocken sorgten dafür, dass die Fahrt manchmal nur langsam voran ging.
20131127-072011.jpg(Beräumt, aber immer noch mit einem gewissen Nervenkitzel verbunden – die Strasse ins Tal)

In Theni suchten wir uns dann einen Full Sleeper Bus, der uns über Nacht ins wunderbar ruhige Pondicherry bringen sollte. Liegend ließen sich die nächsten zehn Stunden auch ganz gut aushalten und so trafen wir gestern morgen hier ein, bezogen das Reve Bleu, ein Hostel, in dem wir schon im März gewesen waren, und genossen die Wärme am Golf von Bengalen. Heute sind wir immer noch da und wenn jetzt gleich in Richtung Strand ziehen. Denn die Wärme wird hier tagsüber immer noch zur Hitze, so dass Wasser sicherlich die beste Alternative ist, bevor man am späten Nachmittag wunderbar durch die kolonialen Sträßchen der Stadt schlendern kann.

Morgen brechen Hanna und ich dann in Richtung Chennai auf. Der Moloch ruft. Und so langsam neigt sich Indien zu Ende. Aber bis dahin sind es auch noch ein paar Tage. Christin hat noch eine Woche mehr und will wohl auch erstmal am Meer bleiben, Chennai kann sie auch noch später sehen.

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